Skurrile Typen, turbulente Geschehnisse und jede Menge Spannung

HBS Theater-AG zeigte das Stück: "All inklusive - voll der krasse Krimi" / Tosender Beifall

Theaterherz was willst du mehr: Skurrile Typen, turbulente Geschehnisse und jede Menge Spannung servierte die Theater-AG der Heinrich-Böll-Schule im zweimal ausverkauften Theatersaal den restlos begeisterten Zuschauern. Die jungen Akteure vor und hinter den Kulissen boten allerbesten Theatergenuss, garniert mit Musical-Elementen und Film-Szenen vor einer liebe- und kunstvoll gestalteten Kulisse. Die Aufführung des Stückes "All inklusive - voll der krasse Krimi" war ein echter Knaller. Belohnt wurde die Leistung der Schüler und der beiden Regisseurinnen Anuschka Göttmann-Eich und Johanna Spilger mit tosendem Beifall. Schulleiter Alexander Hauptmann zollte dem Theaterteam "großen Respekt" für eine "hervorragende Leistung", basierend auf einem "enormen Arbeitspensum".
Kaum haben die Zuschauer Platz genommen, ertönt schon die Schiffssirene. Bevor sich der Dampfer jedoch auf den Weg von Hamburg nach Mallorca macht, gehen die Passagiere an Deck. Die Kapitänin Kathrin Silberstein begrüßt, assistiert von Stewardess Hermia Robinson, höchstpersönlich die bunte Gruppe. Mit viel Pomp besteigt die Adelsfamilie von und zu Hofstädt das Schiff. Für Töchterchen Runa-Cecile kein Vergnügen, leidet sie doch unter einer Wasserphobie. Die Fahrt auf dem Meer soll ihr die Angst vor dem feuchten Element nehmen. Mit dabei ist auch der mit einem glitzernden Halsband versehene Schoßhund Prinzessin.


Szene aus dem Theaterstück


Krasser hätte der Unterschied zwischen altem Adel und der eher dem Prekariat zugehörigen Familie Böller nicht sein können. Besonders beim abendlichen Dinner werden die frappierenden Gegensätze deutlich: Weißer Sommertrüffel trifft auf Pommes rot-weiß, Champagner auf Dosenbier. Die Theaterbesucher haben ihre helle Freude an den herrlich-witzigen Dialogen. Nicht minder unterhaltsam ist das alte Ehepaar Seppelmeier. Der senile Heinrich hat nur das Ziel, einen Blick ins "Cockpit" zu werfen. Seine geschwätzige Ehefrau Hannelore hingegen erzählt bei jeder sich bietenden Gelegenheit Anekdoten und Weisheiten aus ihrem Leben - es ist köstlich.
Komplettiert wird die Passagierliste mit Norbert Schlips, der dubiose gesundheitsfördernde Krawatten verhökert, den beiden Managern Tom Toppmöller und Klara Kriegelblitz, die um einen Vorstandsposten wetteifern, und einem blinden Passagier. Die turbulente Reise kann beginnen.



Die Tour scheint einen ruhigen Lauf zu nehmen, obwohl schon früh klar wird, dass etwas mit der blass wirkenden Kapitänin nicht stimmt. Kurios: Sie leidet unter der Seekrankheit. Und da ist auch noch die blinde Passagierin, die zur Musik von "Pink Panther" übers Deck flitzt und diverse Dinge stibitzt. Die Folge: Jeder bezichtigt jeden des Diebstahls. Plötzlich ist auch die Töle der von und zu Hofstädts wie vom Erdboden verschwunden. Das Gezeter der Tochter ist groß. Was nun? Alle gehen auf die Suche nach dem Tier und entdecken die blinde Passagierin, die - zur Begeisterung der Zuschauer - in Musicalmanier den Udo Jürgens Song "Ich war noch niemals in New York" anstimmt.
Ist damit die Täterin gefasst? Hat sie obendrein noch den Vierbeiner verspeist? Wo ist das mit Edelsteinen üppig besetzte Halsband des Hundes? Jetzt schlägt die Stunde der verdeckten Ermittlerin, die sich als Stewardess Hermia Robinson an Bord begab. Sie verkündet den verdutzten Passagieren, dass es Juwelendiebe auf das Halsband abgesehen hätten. Die Kriminalistin entlarvt den Täter. Es ist der verdatterte Rentner mit dem Rollator und seine scheinbar tumbe Ehefrau.



Den Gaunern gelingt es, die Waffe der Ermittlerin zu erbeuten und die Passagiere zu überwältigen, die in der Sauna festgesetzt werden. Apropos Sauna: Schauspieler und Theatergäste fühlten sich wie in einem Schwitzkasten. Der Schweiß rann an beiden Theaterabenden in Strömen. Der Begeisterung und der Spielfreude tat dies keinen Abbruch. Kompliment an die Akteure, die trotz Hitze mit Verve und Esprit ihre Rollen interpretierten. In der Sauna gefangen und einem nicht sehr erfreulichen Schicksal entgegensehend, fühlen sich alle im wahrsten Sinne des Wortes in einem Boot. Adel versöhnt sich mit Prekariat und Herr Schlips gesteht, dass eine Krawatten billige China-Ware ist. Dann kommt die Rettung. Die blinde Passagierin befreit die Gruppe. Sie überwältigen kurzfristig das Gaunerduo, das den Hund über Bord wirft, um Verwirrung zu stiften. Die wasserscheue Adelstochter springt über Bord, schwimmt wie ein Fisch und rettet ihren Vierbeiner. Kurz scheinen die Diebe wieder im Vorteil, doch Benny Böller hält die Gauner mit einer Wasserpistole in Schach. Furios in diesem Akt ist eine Zeitlupenszene - einfach genial.
Am Ende der Reise ist alles in bester Ordnung: Die Täter werden in Handschellen abgeführt, die Adelstochter liebt das Wasser, die Familien verbringen gemeinsam Urlaub, die Manager verstehen sich prima und die seekranke Kapitänin ist geheilt.
Der Lohn für das zweistündige Spektakel: Tosender Beifall und Bravo-Rufe für das Ensemble und die beiden Regisseurinnen. Dass der Erfolg nicht von ungefähr kommt, liegt auf der Hand. Seit Herbst vergangenen Jahres probte die Theater-AG. Die jungen Schauspieler opferten dafür sogar ihre Freizeit. Die beiden Pädagoginnen, die nun zum zweiten Mal ein Stück zur Aufführung brachten, bereichern das schulische Angebot mit der Theater AG nachhaltig. Die Heinrich-Böll-Schule kann sich glücklich schätzen, eine derart engagierte und talentierte Schauspielergruppe zu besitzen. Die Vorfreude auf das nächste Stück ist schon jetzt immens groß.



Mitwirkende

Bordpersonal:

Kapitänin Kathrin Silberstein: Maxime Mauermann
Stewardess Hermia Robinson: Mirella Bauer
Matrose: Alina Brunner
Fitnesstrainerin: Chiara Schmitt

Mitreisende:

Wilma von und zu Hofstädt: Lea Höfle
Rüdiger von und zu Hofstädt: Samet Aslan
Runa-Cecile von und zu Hofstädt: Elisabeth Bitsch
Bert Böller: Ann-Marie Teichert
Beater Böller: Panthera Sieverding
Bianca Böller: Franceska Griesemer
Benny Böller: Sarah Bussek, Xenia Stimmer
Heinrich Seppelmeier: Lars Gußmann
Hannelore Seppelmeier: Kira Weise
Norbert Schlips: Leonid Axt
Tom Toppmöller: Julia Merk
Klara Kriegelblitz: Nele Schuhmacher
Blinde Passagierin: Nina Axt

Souffleuse:

Stephanie Brückel

Kulisse:

Chiara Eich, Samire Burniki

Technik:

Lukas Spielmann

Regie:

Johanna Spilger, Anuschka Göttmann-Eich