Eine Reise in die Vergangenheit

Schüler der Heinrich-Böll-Schule treffen Zeitzeugen / Berichte lösten Betroffenheit aus

Bedrücktes Schweigen im Theresa-Zimmer im Kloster in Höchst. Die sonst so übermütigen und lachenden Schüler des 10. Jahrgangs der Heinrich-Böll-Schule sind auf einmal ganz leise. Dann, wenn die Zeitzeugen anfangen zu erzählen, von Zeiten aus dem Zweiten Weltkrieg, die jeder Schüler nur aus dem Geschichtsbuch kennt. Um ihre Geschichten teilen zu können, sind sechs Zeitzeugen aus der Ukraine und Polen angereist, manche sogar mit Dolmetscher.
Nach der Begrüßung finden sich die Klassen und ihre jeweiligen Zeitzeugen zusammen. Die Chemie stimmte bei vielen sofort, doch sobald die Schüler eintauchen in für sie unbekannte Zeiten, wird es immer leiser. Alle lauschen gespannt, keiner möchte etwas verpassen, bei dem ein oder anderen sind auf Grund der manchmal sehr erschreckenden Geschehnisse, Tränen in den Augen zu sehen.


Die Schülergruppe im Kloster Höchst


"Als Kind war ich mit meinem Bruder in einem Kinderheim in Portuliz, dort mussten wir mitarbeiten und haben zusammen auf engstem Raum mit vielen weiteren Kindern in einem Schlafsaal geschlafen. Oft hat mein Bruder, der etwas älter war als ich, in der Küche etwas zu essen für mich mitgehen lassen. Wir waren ein gutes Team, doch eines Tages flog unser Arbeitslager auf. Die Russen wollten kommen und uns befreien. Noch am selben Abend wurden wir deshalb in unserem Schlafsaal eingesperrt. Zu unserem Schrecken wollte man den Saal anzünden und alle Hinweise vernichten. Wir hatten Todesangst, doch unsere Befreier kamen früher als erwartet und retteten uns. So sind wir alle mit dem Leben davongekommen. Als Kinder begriffen wir erst Tage später, was alles hätte passieren können. Ich werde es nie vergessen." Mit Betroffenheit nehmen die Zehntklässler die Schilderungen der Zeitzeugin zur Kenntnis.
Geduldig beantworten die Zeitzeugen jede Frage. Die Schüler spüren, dass es vielen nicht leicht fällt, über diese Zeiten zu sprechen. Von jedem der sechs Zeitzeugen hören die Schüler, dass man die Vergangenheit nicht vergessen darf.
Ein übermütiger Jahrgang fängt an nachzudenken. Es ist zu spüren, dass sich jeder seine Gedanken zu den Geschichten macht. Von vielen ist später zu hören, dass sie froh sind, dass ihnen diese Zeit erspart geblieben ist.
Für die Schüler der Heinrich-Böll-Schule hat sich ein Abschnitt Geschichte geöffnet, den sie wohl nicht so schnell vergessen werden.

Ann-Kathrin Greinert (Schülerin des zehnten Jahrgangs)