Zum ersten Mal Schnecken und Froschschenkel probiert

Heinrich-Böll-Schule: 25 Schüler weilten mehrere Tage an den französischen Partnerschulen in Thizy-les-Boengs&Cours

Frankreich ist ein Land für Gourmets. Ob Gänseleber oder Austern: Die kulinarische Bandbreite ist enorm. Davon können auch die 25 Schüler der Heinrich-Böll-Schule berichten, die mehrere Tage bei Gasteltern in der Partnerstadt Thizy verbrachten. "Ich habe zum ersten Mal Schnecken und Froschschenkel gegessen", erzählte der Zehntklässler Jonas Schmidt. Sein Urteil: "Beides hat sehr gut geschmeckt." Doch nicht mit kulinarischen Besonderheiten konnten die Gastgeber glänzen, "auch das kulturelle Programm war interessant, kurzweilig und unterhaltsam", wie Oberstudienrat Sven Spottka, der gemeinsam mit seiner Kollegin Oberstudienrätin Silvia Hantke die Gruppe vor Ort betreute, feststellte.
Der Schüleraustausch mit Schulen in der französischen Partnerstadt hat eine lange Tradition. Vor wenigen Wochen weilte eine Schülergruppe aus dem Nachbarland an der integrierten Gesamtschule. (Wir berichteten darüber). Unterstützt wird das Miteinander von den Freundeskreisen und den beiden Gemeinden. Den Schülern wird die Möglichkeit gegeben, die Sprache des jeweils anderen Landes zu lernen, die Kultur, die Menschen und deren Leben "hautnah" zu erfahren und Freundschaften über die Grenzen hinweg aufzubauen.


Schülerinnen und Schüler mit ihren Betreuern in Thizy


Nach einer neunstündigen Busfahrt wurde der HBS-Tross an der Schule in Thizy herzlich empfangen. Die Begrüßung verlief auch deshalb überaus innig, da sich die Schüler beim Zusammentreffen in Fürth vor wenigen Wochen schon angefreundet hatten und sich auf das Wiedersehen freuten. Am ersten Tag hatten die Odenwälder Unterricht bei ihren Lehrern. "Wir haben die Gelegenheit genutzt, um unsere Schüler auf die Prüfung für das französische Sprachdiplom vorzubereiten", bemerkte Sven Spottka. Anschließend besuchten die HBS-Schüler den regulären Unterricht. Besonders hoch im Kurs stand - selbstverständlich - der Deutschunterricht. Am Nachmittag unternahm die Gruppe eine Stadtrallye. Auch dieses Spiel nutzten die Pädagogen, um die Sprachkompetenz ihrer Schützlinge zu fördern. Zum Abschluss gab's einen "Diabolo menthe": Dieses Getränk genießt in der Partnerstadt geradezu einen Kultstatus. Kein Wunder, denn der Sirup wird in Thizy hergestellt und gilt als begehrtes Souvenir. Freitags stand ein Ausflug in die Stadt Lyon auf dem Programm. Die Kommune am Zusammenfluss von Rhone und Saône kann mit vielen Sehenswürdigkeiten punkten. Die Altstadt wurde zum Weltkulturerbe erhoben. Architektonisch und thematisch ein "echter Knaller", wie Oberstudienrat Spottka voller Begeisterung urteilte, ist das Musée des Confluences. Dass die Gruppe deshalb dieses außergewöhnliche Museum besuchten, war daher eine Selbstverständlichkeit.
Anschließend besichtigte man die Altstadt. Ins Auge stechen die vielfältigen Wandmalereien, die alle Schüler in Staunen versetzte. Die Tour nach Lyon endete mit einem Bummel durch "Belleville", die Fußgängerzone. Natürlich bekamen die Schüler noch eine Aufgabe unter dem Motto "Mon Corres et moi" gestellt. Sie sollten ein außergewöhnliches Foto schießen. Das Wochenende verbrachten die Schüler in den Familien, die Ausflüge in die umliegenden Städte wie St. Etienne unternahmen. Montags schauten sich die Schüler aus dem Odenwald die Stadt Roanne an. Sven Spottka und Silvia Hantke "warfen" ihre Schützlinge an einem Punkt am Stadtrand aus dem Bus. Die Schüler mussten selbst den Weg zu einem bestimmten Punkt in der Innenstadt erfragen. Kontaktfreudig suchten die Odenwälder das Gespräch mit Bürgern, die ihnen gerne den richtigen Weg wiesen. Ein Bäckermeister war derart erfreut, dass junge Deutsche ihn in passablem Französisch nach dem Weg fragten, dass er ihnen als Wegzehrung noch ein Baguette schenkte.
Höhepunkt am nächsten Tag war - nach einem langen Schultag - das Boule-Turnier am Abend. Die Gasteltern sorgten für das Essen und die Gemeinde spendierte die Getränke. Mehrere Stunden widmete man dem französischsten aller französischen Spiele. Es habe, erinnern sich die beiden HBS-Pädagogen - eine sehr ausgelassene und nette Stimmung geherrscht. "Es war eine tolle Gaudi".
Die Vorbereitungen auf das Sprachdiplom, Konversation und das französische Schulwesen prägten den vorletzten Tag in Thizy. Donnerstags hieß es dann Abschied nehmen. Zuvor trafen sich Gastgeber und Gäste noch einmal zum gemeinsamen Mittagessen. Beide Seiten betonten, wie wichtig die Schulpartnerschaft und wie hoch der Stellenwert der Kooperation zwischen den Schulen sei. Die Fürther Gruppe dankte den Gastgebern für den rundum gelungenen Aufenthalt und die große Gastfreundschaft.
"Es war ein perfekter Aufenthalt in der Partnerstadt, was nicht zuletzt am disziplinierten Verhalten unserer Schüler lag. Die Jugendlichen waren zuverlässig, stets höflich und vor allem überaus kommunikativ", lautete das Fazit von Oberstudienrat Sven Spottka.