Betreuung über den normalen Schulalltag hinaus

Heinrich-Böll-Schule forciert die Integration der Flüchtlingskinder / Sprachintensivklassen und Ferienangebot

Szene eins: Brigitte Harder steht im Kreis und wirft einem Mädchen einen Ball zu. Das Kind weiß, was zu tun ist. Es sagt seinen Namen und gibt fehlerfrei Auskunft über sein Alter und seine Herkunft. Der Ball fliegt weiter. Szene zwei: Irene Ebert zeigt Bilder von Gegenständen, spricht die Namen deutlich aus und schreibt die Begriffe an die Tafel. Die Kinder wiederholen den Begriff und schreiben fehlerfrei von der Tafel ab. Szene drei: Nil Tylan konjugiert ein Verb, alle Schüler wiederholen das Gesagte - ebenfalls fehlerfrei. Die erfahrenden Pädagoginnen an der Heinrich-Böll-Schule kümmern sich um die Integration der Flüchtlingskinder, die in drei Sprachintensivklassen an der HBS unterrichtet werden. Das Erlernen der deutschen Sprache bildet das Fundament für eine erfolgreiche Eingliederung in unsere Gesellschaft.
Doch damit nicht genug: Die einzige integrierte Gesamtschule im Kreis gibt sich mit dem "normalen" Programm nicht zufrieden. In Kooperation mit der Diakonie Rimbach und der Kinderhilfe Fürth wurde für die Mädchen und Jungen aus Syrien und den afrikanischen Staaten ein abwechslungsreiches Ferienprogramm gestaltet. Aber warum muss die Schule auch noch ein Freizeitprogramm arrangieren? Reicht die Betreuung in der Schule nicht aus? Ist der zusätzliche Aufwand überhaupt sinnvoll?
"Das Erlernen der deutschen Sprache ist ein Teil der Integration. Die Kinder sollen darüber hinaus aber auch das Leben in unserer Gesellschaft in allen Facetten kennen lernen, deshalb sind die Ferienaktivitäten von enormer Bedeutung", betont Schulleiter Alexander Hauptmann, der sich in regelmäßigen Abständen über den Fortgang der Ausbildung und die Entwicklung der Kinder bei den Pädagoginnen informiert.
Dem Schulleiter und der HBS-Schulgemeinde ist es ein besonderes Anliegen, die Flüchtlingskinder über das Normalmaß hinaus zu fördern. Gemeinsam mit Stufenleiterin Evelin Vieweg knüpfte er deshalb Kontakt mit der Kinderhilfe Fürth und der Diakonie Rimbach. Als Vermittler fungierte Fürths Bürgermeister Volker Öhlenschläger. Auch dem Rathauschef der Gemeinde ist es ein Herzensanliegen, dass die Integration schnell und unproblematisch erfolgt.


Sprachintensivklasse. Brigitte Harder, eine der drei Lehrerinnen der Heinrich-Böll-Schule, die eine Sprachintensivklasse leiten, ist mit den Lernfortschritten ihrer Schützlinge sehr zufrieden. Die Kinder aus den unterschiedlichsten Ländern lernen die deutsche Sprache von Grund auf.


Dem Bürgermeister ist bewusst, dass bei frühzeitiger positiver Weichenstellung spätere Konflikte verhindert werden können. Deshalb war es für ihn selbstverständlich, das Konzept der HBS und die angestrebte Zusammenarbeit mit Kinderhilfe und Diakonie zu unterstützen. Das Ergebnis der Kooperation kann sich sehen lassen: Die Kinder werden nach dem regulären Unterricht und in den Ferien von Canan Orhan und Katrin Jakob betreut. Die Kosten übernehmen Kinderhilfe und Diakonie anteilig.
Damit werden gleich mehrere Probleme gelöst beziehungsweise Ziele erreicht: Die Kinder unterhalten sich auch in ihrer Freizeit in deutscher Sprache, setzen ihre im Unterricht erworbenen Kenntnisse im Alltag um. Darüber hinaus wird ihnen ein kreatives Programm geboten, das dazu beiträgt, sich schneller in das hiesige Leben einzufinden. Die Gruppen waren unter anderem auf Schatzsuche in Fürth unterwegs, besuchten das Kino in Weinheim, schauten sich im Drachenmuseum in Lindenfels um, bestaunen die Tiere im Heidelberger Zoo oder liefen Schlittschuh in Mannheim.
"Überall lernten sie neue Wörter kennen, kamen ins Gespräch mit Einheimischen und erhielten Einblick in unser Leben. Der Alltag wird für die Kinder immer mehr zur Normalität. Sie fühlen sich nicht mehr fremd; die HBS und der Odenwald werden zur neuen Heimat", bilanziert Schulleiter Hauptmann.
Programme und Sprachintensivklassen sind eine Seite des Engagements, gleichwohl ist auch an eine adäquate sächliche, sprich räumliche Ausstattung zu denken. Die Heinrich-Böll-Schule erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit. Von rückläufigen Schülerzahlen ist an der integrierten Gesamtschule keine Rede. Ganz im Gegenteil: Fünf- und sechszügige Jahrgänge sind die Regel. Hinzu kommen die drei Sprachintensivklassen.
Die Schulleitung legt deshalb ein Augenmerk auf eine zeitnahe Sanierung und Modernisierung der Schule, die den aktuellen Anforderungen gerecht werden muss. Auf den Punkt gebracht: Bauliche Maßnahmen an der HBS sind unabdingbar. "Die Integration der Flüchtlingskinder ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir uns stellen müssen", betont Schulleiter Hauptmann. Gemeinsam mit dem Schulträger, der sich seiner Verantwortung bewusst ist, wolle die Schulgemeinde, so der Schulleiter weiter, diese Herausforderung meistern. "Wir sind auf einem guten Weg", so Hauptmann abschließend.