Von Nagelproben und Anfeindungen

Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Darmstadt zu Gast an der Heinrich-Böll-Schule

Woran erkennt man eigentlich einen Juden? Daniel Neumann, Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Darmstadt, stellte die Frage unverblümt Schülern der Heinrich-Böll-Schule in Fürth. Ratlosigkeit bei den Jungen und Mädchen. Die orthodoxen Juden sind an ihrer schwarzen Kleidung, den Hüten und den Haarlocken an den Schläfen erkennbar. Aber "normale" Juden? Sie sind nicht anders als alle anderen Menschen in Deutschland. Daniel Neumann informierte die Schüler auf sehr spannende und persönliche Weise über die Lebensweisen der Juden. Sein Themenspektrum reichte von der "Nagelprobe" bis hin zu Anfeindungen, mit den Juden leben müssen.
Initiiert wurde der Vortrag von Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann, der es ein besonderes Anliegen ist, dass die Schüler Einblick in die Weltreligionen bekommen. Zu Gast war auch schon ein Imam, der über den Islam referierte. Die jüdische Gemeinde Darmstadt habe auf ihre Anfrage sofort reagiert und Daniel Neumann habe sein Kommen spontan zugesagt, obwohl er ein sehr gefragter Ansprech- und Gesprächspartner sei, bemerkte Pfarrerin Holzapfel-Hesselmann.


JÜDISCHES LEBEN. Der Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Darmstadt, Daniel Neumann, war zu Gast an der Heinrich-Böll-Schule und informierte die Schüler über das Judentum und das Leben der Juden.


Daniel Neumann ist Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Darmstadt, die dem Landesverband angehört. Der Verband respektive die Gemeinden haben die Aufgabe, "die religiösen, wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen zu vertreten".
Der Referent gewährte den Schülern einzigartige Blicke in das Leben der Juden. Er sprach über "koscheres" Essen ebenso wie über die Regeln am Sabbat. Die Schüler staunten nicht schlecht, als Neumann von den 613 Geboten sprach, an die sich Juden halten. Allerdings seien es letztlich 20 Vorschriften, die bindend seien. Die Thora spielt im Leben eines gläubigen Juden eine wichtige Rolle: "Wir verstehen die Thora als Notizbuch mit vielen wichtigen Hinweisen", erklärte der Geschäftsführer. Die Regeln würden auf keinen Fall den Menschen einengen, "sie helfen, ein moralisches Leben zu führen".
Und was hat es mit der Nagelprobe auf sich? Mit einem Nagel hätten die jüdischen Metzger die Klingen ihrer Messer auf Rillen und Scharten hin überprüft. Die Messer müssen scharf sein, damit das Schächten der Tiere schmerzfrei verlaufe. Daniel Neumann ging in seinen Ausführungen auch auf die Tätigkeit eines Rabbiners ein. Er vergaß aber auch nicht eine weniger schöne Seite im Leben der Juden in Deutschland zu erwähnen: Noch immer sind Juden erheblichen Anfeindungen ausgesetzt, besonders in Großstädten. Es sei nicht selten, dass Polizisten vor Synagogen Streife liefen.
Daniel Neumann hat es sich zur Aufgabe gemacht, falsche Vorstellungen vom Judentum auszuräumen. Er möchte ein realistisches Bild seines Glaubens und seiner Gemeinde zeichnen und weit verbreitete Vorurteile über das Judentum abbauen. Dass Kinder und Jugendliche wichtige Ansprechpartner sind, ist dem Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Darmstadt bewusst, deshalb versprach er Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann, nun jedes Jahr an die Heinrich-Böll-Schule zu kommen.