Dem Tod mit einem Lachen entgegentreten

Leiterin des Bensheimer Hospizes zu Gast an der Heinrich-Böll-Schule / Wichtige Einblicke

"Bei uns wird mehr gelacht als anderswo." Dieser Satz fällt oft im Vortrag von Magarete Keilmann, Pflegedienstleitung des Hospizes Bergstraße in Bensheim. Ihre Zuhörer: Zwei Religionsklassen der Jahrgangsstufe 10 von Pfarrerin Babara Holzapfel-Hesselmann. Zweimal war Margarete Keilmann an der Heinrich-Böll-Schule, um über ihren Beruf und das Hospiz Bergstraße zu sprechen.
Grundlage für diesen Vortrag ist das Thema "Tod", welches beide Klassen im Religionsunterricht behandeln. Um den Schülern dieses Tabuthema näherzubringen und um teilweise die Angst vor dem Tod zu nehmen, berichtete Margarete Keilmann von ihren Erfahrungen aus dem Hospiz. Permanent bereiten die Mitarbeiter im Hospiz ihre Gäste auf den bevorstehenden Tod vor und begleiten sie bis zum letzten Atemzug.
Am Anfang noch zögerlich und zum Schluss hin immer offener, stellten die Schüler ihre Fragen. Mit großem Interesse beantwortete Magarete Keilmann alle Fragen sehr ausführlich und für alle verständlich. Es wurden Rituale, die im Hospiz bestehen, besprochen.
Zu den wichtigsten Gepflogenheiten gehört, dass die Patienten im Hospiz als "Gäste" bezeichnet werden. Auf fragende Gesichter der Schüler antwortet Margarete Keilmann: "Die Menschen, die ins Hospiz kommen, haben oft einen langen Leidensweg und viele Krankenhausaufenthalte hinter sich, in unserem Haus sind sie Gäste, Gäste auf Zeit." Jeder Gast wird an der Haustür empfangen und auch an der Haustür wieder verabschiedet, wenn der Sarg hinausgetragen wird. Dies soll ein Gefühl der Gemeinschaft und der Verbundenheit vermitteln.


Tabuthema. Margarete Keilmann (Mitte) vom Hospiz in Bensheim sprach auf Einladung von Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann (l.) mit Zehntklässlern der Heinrich-Böll-Schule über das Tabuthema Tod.


Nachdem alle Fragen beantwortet waren, widmete sich Babara Holzapfel-Hesselmann ihrer Klasse. Es wurden kleine, bunte Bildkärtchen verteilt. Jeder Schüler sollte zu Bildern auf seinem Kärtchen etwas sagen und eine Verbindung zum Tod herstellen. Ein Steinhaufen rief bei einigen Schülern die Assoziation eines steinigen Weges hervor, den das Leben vorgibt. Bei einer Karte allerdings waren sich viele Jugendliche einig: Ein Sternenhimmel steht für ein Meer verstorbener Menschen, die in Form von Sternen am Himmel leuchten.
Am Ende der Stunde betonte Margarete Keilmann noch einmal: "Wir begleiten unsere Gäste auf ihrem letzten Lebensabschnitt, trotz alledem wird bei uns mehr gelacht als anderswo!" Begeistertes Klatschen beendet die Stunde. Nachdenkliche Schüler machten sich auf den Weg nach Hause; sie hatten den Tod von einer anderen Seite gesehen.

Ann-Kathrin Greiner