Vermittler bei Auseinandersetzungen

An der Heinrich-Böll-Schule sind 25 Streitschlichter im Einsatz / Gute Erfahrungen

Einem Rempler folgt ein Schimpfwort. Die Retourkutsche des Gegenübers folgt auf dem Fuß. Im Nu bricht ein handfester Konflikt aus. Eine Szene, die sich öfters auf Schulhöfen beobachten lässt. In der Regel schreitet der Aufsicht führende Lehrer ein und trennt die Streithähne mit mahnenden Worten. So weit, so gut. Der Auslöser für den Zoff ist damit aber noch längst nicht vom Tisch.
Anders die Herangehensweise an der Heinrich-Böll-Schule: Die integrierte Gesamtschule in Fürth hat Streitschlichter im Einsatz. "Sie sprechen als Schüler die Sprache ihrer Altersgenossen und vermitteln zwischen den beiden Parteien. Die Ursache des Konfliktes wird angesprochen und der Konflikt ein für alle Mal beigelegt", erklärt Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann, die als Betreuerin und Beraterin der Streitschlichter fungiert.
Das Streitschlichter-Modell existiert nun seit einem Jahr an der HBS - "mit sichtbaren Erfolgen", wie die Religionslehrerin strahlend hinzufügt. Auf Grund der positiven Erfahrungen wurden vor den Ferien neue Streitschlichter ausgebildet. Inhalt der Kurse war beispielsweise das Erkennen von körpersprachlichen Signalen, die eine kurz bevorstehende aggressive Handlung deutlich machen. Darüber hinaus wurden Strategien vermittelt, wie man die Streithähne im Gespräch beruhigen kann und eine Atmosphäre für eine vernünftige Kommunikation schafft.


Schüler aus dem sechsten bis zehnten Jahrgang fungieren an der Heinrich-Böll-Schule als Streitschlichter. Ausgebildet und betreut werden sie von Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann (r.).


"Die Schlichter bleiben stets neutral. Sie hören sich beide Seiten an und ermitteln die Ursache. Ziel ist es, dass die Streitenden sich wieder gelassen in die Augen schauen und zukünftig friedlich miteinander auskommen", fasst Barbara Holzapfel-Hesselmann die Aufgabe der Schlichter zusammen.
Die Seelsorgerin hat einen weiteren Vorteil des Streitschlichter-Modells bemerkt: Die Streitschlichter selbst würden ihr Verhalten verändern. Schüler, die selbst leicht reizbar waren und nun als Streitschlichter wirken, agierten ruhig, ausgleichend und souverän. "Sie wissen, wie schnell eine Auseinandersetzung eskalieren kann, deshalb reagieren sie überaus verantwortungsvoll", konstatiert die Betreuerin. Erkennbar sind die Streitschlichter an ihren weithin leuchtenden Westen, "die sie mit Stolz tragen."
An jedem Schultag sind fünf Schlichter, die aus den Jahrgängen sechs bis zehn kommen, auf dem Schulhof im Einsatz. Sie werden von den Lehrern als wichtige Helfer bei Konflikten wahrgenommen und von den Schülern respektiert. Die HBS profitiere auch von der Arbeit an der Müller-Guthenbrunn-Schule in Fürth, die ebenfalls das Streitschlichter-Modell mit Erfolg praktiziere, bemerkt die Seelsorgerin.
Die Schulleitung, allen voran Schulleiter Alexander Hauptmann, unterstützt die Gruppe und realisierte sofort den Wunsch nach leuchtenden Westen, die zur Kenntlichmachung der Schlichter dienen. Der Förderverein der Schule finanzierte die Anschaffung von Ausbildungsmaterial.
"Wir wollen unsere Schüler zu einem verantwortlichen Handeln erziehen; die Streitschlichter sind dafür ein sehr gutes Beispiel", betonen Schulleiter Hauptmann und Barbara Holzapfel-Hesselmann einmütig.