Anschaulicher Unterricht zum Thema Tod und Sterben

Das Bestattungshaus Rauscher aus Rimbach war in der Heinrich-Böll-Schule zu Besuch.

Sich mit dem Thema Tod und Sterben auseinanderzusetzen, ist nicht einfach. Schon gar nicht, wenn man erst 16 Jahre jung ist. Auf dem Unterrichtsplan der Heinrich-Böll-Schule steht dieses Thema für das zehnte Schuljahr im Fach HBS (= Hintergründe Blickpunkte Spuren), welches ein Fächerverbund aus Ethik und Religion ist.
Nachdem sich die Schüler über Wochen mit verschiedenen Trauerritualen auseinandersetzten und dabei auch unterschiedliche Einblicke in die Bräuche und Sitten anderer Länder und Kulturen bekamen, wurde es praktisch und lebensnah. Andreas Rauscher vom Bestattungshaus Rauscher in Rimbach kam zu Besuch, um über die vielfältigen Aufgaben seines Berufs zu informieren. Zusätzlich schilderte Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann den Jugendlichen auf eindrucksvollerweise, was passiert und was sie als Seelsorgerin leisten muss, wenn jemand stirbt.
Die Jungen und Mädchen hatten sich zuvor Fragen überlegt, die zu Beginn eher praktischer Natur waren: Wie sieht eine Ausbildung zu diesem Beruf aus? Was verdient man? Was kostet eine Beerdigung? Besonders gespannt hörten die Schüler zu, als Andreas Rauscher über die Möglichkeiten der Bestattung erzählte. Neben der bekannten Erdbestattung und Verbrennung gibt es auch Bestattungen, die auf hoher See oder einer Wiese in den Bergen stattfinden. Wer möchte, kann die Asche auch aus einem Heißluftballon oder sogar Helikopter verstreuen. Die Wünsche der Verstorbenen als auch Hinterbliebenen werden in seinem Bestattungshaus respektiert.



Andreas Rauscher vom Bestattungshaus Rauscher in Rimbach kam zu Besuch, um über die vielfältigen Aufgaben seines Berufs zu informieren.


Nachdem die erste Scheu überwunden war, wollten die Schüler genauere Informationen erfahren. So interessierte es sie zum Beispiel, wie man als Bestatter mit der Trauer und dem Schmerz der Zurückgebliebenen umgeht. "Auch wenn ich diesen Beruf schon seit vielen Jahren ausübe, ist es immer wieder besonders schwer, wenn Kinder oder junge Menschen versterben. Außerdem ist es manchmal nicht einfach, wenn ein Unfallopfer hergerichtet werden soll. Eine gesunder Abstand ist notwendig, damit ich abends ruhig einschlafen kann", berichtete der Bestatter aus Rimbach.
Von ähnlichen Erfahrungen erzählte Barbara Holzapfel-Hesselmann. Auch sie berühren solche jungen Schicksale enorm, zudem gelingt das Abschalten am Feierabend dann immer besonders schwer. Es ist nicht einfach, die richtigen und passenden Worte zu finden. Doch oft geht es in erster Linie darum, das Leid der Zurückgebliebenen mitzutragen. Manchmal helfe es den Trauernden, indem man einfach mit ihnen schweigt, antwortete die Schulpfarrerin auf die Frage, wie man trösten kann. "Insgesamt", so die Meinung der unterrichtenden Seelsorgerin, "lässt die Berührung mit dem Tod viele Dinge und Sichtweisen intensiver wahrnehmen. Es schärft den Blick auf das Wesentliche im Leben. Manche Sachen, über die wir uns ärgern, werden plötzlich ganz banal und bedeutungslos. Umso wichtiger ist es, dass wir das Schöne und nicht das Unerfreuliche in den alltäglichen Fokus nehmen."
Abschließend schauten sich die Schüler einen Film des Bensheimer Hospizes an, der Einblicke in die Arbeit vor Ort gewährte. "Mich hat sehr berührt, dass die Menschen, die dort hauptberuflich oder ehrenamtlich meist krebskranke Gäste beim Sterben begleiten, selbst eine große Dankbarkeit für die eigene Gesundheit empfinden. Auch wenn ihre Aufgabe nicht immer einfach ist, machen sie diese gerne und empfinden dabei so etwas wie Erfüllung. Es ist toll, dass es solche besondere Menschen gibt", so abschließend die Zehntklässlerin Sophie.