Mit einer Mausefalle möglichst viele Meter machen

Der schulinterne Wettbewerb ging in die zweite Runde.

Was hat ein Auto mit einer Mausefalle zu tun? Die Schüler der Heinrich-Böll-Schule (HBS) haben gehört, es soll Autos geben, die allein mit der Kraft einer Mausefalle fahren. Kraft steckt ja drin in so einer Mausefalle, doch wie soll sich diese nur fortbewegen?
An der integrierten Gesamtschule in Fürth wurde über einige Wochen an dieser Technik geforscht. Insgesamt 52 Teilnehmer beschäftigten sich hier mit dem Mausefallenantrieb, um am Ende vielleicht Sieger des schulinternen Mausefallenrennens zu werden.
Der Name des Wettbewerbs täuscht. Um die Fahrzeuge anzutreiben, treten keine gefangenen Mäuse ins Laufrad. Die genießen ihre Freiheit, während klassische Mausefallen als Rennmotoren zweckentfremdet werden: Die starke Feder und der Bügel in der Schnappfalle sollen die Antriebskraft erzeugen.
Enrico und Ali zum Beispiel verlängerten den Bügel der Mausefalle mit einem Stab. Zusätzlich übertrugen sie die Kraft, indem sie einen Faden auf die Achse der Antriebsräder leiteten. In Gang gesetzt wurde der Motor mit dem Mausefallenmechanismus, wobei zusätzlich vier handelsübliche CDs als Räder dienten. Doch auch das Aussehen war gefragt. Deshalb lackierten sie die Räder schwarz und setzten in die Mitte ihres Fahrzeuges von beiden Seiten sichtbar jeweils einen auffälligen Totenkopf.



Klassische Mausefallen werden beim Physik-Wettbewerb der Heinrich-Böll-Schule als Rennmotor zweckentfremdet. Die starke Feder und der Bügel in der Schnappfalle sollen allein die Antriebskraft des selbstgebauten Fahrzeuges erzeugen.


Der 13-jährige Tim wiederum hatte eine ganz andere Idee, bei der sogar ein Teil der Schaltplattensammlung seines Vaters - selbstverständlich mit dessen Erlaubnis - eingesetzt wurde. An die beiden Enden eines leichten Holzstabs montierte der Siebtklässler jeweils eine Schaltplatte. Schließlich wurde daran die Mausefalle auf einem leichten Holzbrett befestigt, das wiederum an seinem Ende zwei kleine Gummiräder hatte. Auch den Bügel der Falle verlängerte er.
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, so ein Mausefallenauto zu bauen. Doch welche ist am Schluss die beste? Kommt es auf die Geschwindigkeit an oder ist Gewichtseinsparung wichtig? Fragen mit denen sich nicht nur die HBS-Schüler, sondern auch die gefragten Konstrukteure von großen Autokonzernen beschäftigen müssen.
Bei unzähligen Testläufen, die die Schüler zu Hause durchführten, zeigten sich die Schwächen ihrer Konstruktionen. Manchmal war das Bremsen oder das leichte Zurückfahren nicht so toll. Viel Feinarbeit und vor allem Nachdenken war nötig, denn schließlich war nicht mehr viel Zeit bis zum großen Tag: dem zweiten Mausefallenrennen der HBS. Hier traten schließlich die Konstruktionsteams und Einzelkonstrukteure gegeneinander an. Wer hat das Mausefallenauto, das am weitesten fährt?



So sehen die neuen Sieger des Mausefallenwettbewerbs der HBS aus: Carolina Pflaum (7/2) und Selina Schröder (7/2) sowie Lars Gußmann (7/4). Die Drittplatzierten Simon Kunkel (8/4) und Manuel Bernhard (8/4) fehlen leider auf diesem Bild.


Gekonnt moderierte und kommentierte der Zehntklässler Tim Strahl den spannenden Wettbewerb und sorgte für gute Stimmung beim Publikum. Einige Teams hätten schon für den Namen einen Preis verdient: Touch Down, Der Schwarze Baron, Shopping Queen oder aber Speedy Gonzales, Der fliegende Holländer oder Neonblitz traten gegeneinander an. Bevor es an den Start ging, kontrollierte eine Jury, dass alle Vorschriften eingehalten wurden. Nun überprüfte jeder Teilnehmer noch mal schnell, ob auch wirklich alles sitzt, denn jetzt war der entscheidende Augenblick gekommen.
Die verrücktesten Konstruktionen bekamen die Zuschauer zu sehen. Beim Start waren manche Fahrzeuge zu Beginn gar nicht so schnell, doch das machte nichts, schließlich ging es am Ende ja allein um die Weite. Auch wenn manche Fahrzeuge nur wenige Meter zurücklegten, gab es vom Publikum immer gebührenden Applaus. "Toll, was sich die Schüler ausgedacht haben. Es sind wirklich kleine Meisterwerke, die hier an den Start gehen. Auch bin ich überrascht, dass doch wieder ganz neue Ideen dabei sind", so die Physiklehrerin Sabine Stein, die diesen Wettbewerb für die HBS ins Leben rief. Zuvor hatten die Schüler ihres Wahlpflichtunterrichts, verschiedene Bedingungen erprobt, klare Regeln aufgestellt, die Umsetzung geplant und allerhand Teilnehmer geworben.



Die tollsten Konstruktionen gingen an den Start.


Langsam, aber weit, so dachten es sich Simon Kunkel (8/4) und Manuel Bernhard (8/4). Bei einer Weite von 11,4 Metern hatten sie schließlich Grund zur Freude, denn dies war das drittbeste Ergebnis. Das Fahrzeug von Lars Gußmann (7/4) konnte diese Weite noch toppen, es kam bei 19,85 Metern zum Stehen. Doch absolut sensationell unterwegs war die extrem leichte Konstruktion von Carolina Pflaum (7/2) und Selina Schröder (7/2). "Galaxy Flitzer" haben sie ihr Fahrzeug genannt, welches wirklich weit kam, denn nur die Wand der Sporthalle konnte ihr Auto stoppen. 30,1 Meter - das war ganz klar der erste Platz, sodass die beiden Mädchen auf die höchste Stufe des Siegertreppchens klettern durften. Zusätzlich schlugen sie den im Jahr zuvor aufgestellten Rekord um Längen.
Auch das schönste und kreativste Design wurde geehrt. Hier durften die Zuschauer aktiv werden und ihren Lieblingsflitzer wählen. Einige Fahrzeuge wurden schon bald als heiße Favoriten gehandelt, doch am Ende setzte sich mit den meisten Stimmen das Team von Manuel Kögel (9/5) und Jonas Menzel (9/5) an die Spitze. Um die erbrachten Leistungen zu würdigen, wurden die Schüler mit Urkunden und Sachpreisen bedacht.
"Wer dachte, Mädchen und Physik passen nicht zusammen, der wurde heute mal wieder eines besseren belehrt. Es freut mich, dass der Wettbewerb so zahlreich angenommen und motiviert durchgeführt wurde", bilanzierte Sabine Stein. Das Fach Physik gewinne durch solche Projekte ungemein an Beliebtheit und das bei Jungen und Mädchen gleichermaßen. Des Weiteren ließen sich so, zentrale Fragestellungen des Physikunterrichts praxisnah erarbeiten wie beispielsweise Reibungseffekte, Energieerhaltung oder Eigenschaften von Federn und Hebeln - ganz nach dem Motto "Learning by doing".