Reanimation auf dem Stundenplan

Schulsanitäterausbildung an der HBS

Das Jugendrotkreuz Bergstraße hat 32 neue Schulsanitäter an der Fürther Heinrich-Böll-Schule ausgebildet. Die Jugendlichen im Alter von 11 bis 16 Jahren sind nicht nur fit in Erste Hilfe, sondern sorgen bei Schul- und Sportfesten, Ausflügen und an ganz normalen Schultagen für Sicherheit und helfen ihren Mitschülern bei Notfällen. Wenn Jan gefragt wird, warum er sich entschlossen hat, Schulsanitäter zu werden, überlegt der 15-jährige Schüler nicht lange: "Ich will wissen, was ich im Notfall wie machen kann. Ich möchte auf keinen Fall hilflos herumstehen, wenn jemand verletzt ist." Bei der 13-jährigen Louisa ist es genauso. "Als Fünftklässler war ich selbst mal Patient bei unseren Sanis und fand es toll, wie mir geholfen wurde. Auch ich möchte im Notfall helfen können", erklärt sie.
Aber nicht nur die beiden denken so. Insgesamt sind es 32 Schüler, die an der integrierten Gesamtschule das Team der Schulsanitäter bilden. Die Fürtherin Ute Fuchs vom Jugendrotkreuz Bergstraße bildete in einem zweitägigen Grundseminar gleich 20 neue Schulsanitäter aus. Von ihr lernten die Jungen und Mädchen, was in Notfällen zu tun ist und wie sie Gefahren erkennen, bevor etwas passiert. Den Umgang mit Verletzten übten sie in Rollenspielen. Aber auch wie man verängstigte Mitschüler bei Unfällen beruhigt, vor neugierigen Blicken abschirmt oder aufmuntert, gehörten zu einer weiteren Trainingseinheit. Mithilfe von Puppen erlernten die Jugendlichen auch die Reanimation, was sie besonders spannend fanden. "Ich hätte nicht gedacht, dass das so anstrengend ist", erklärte Leon, der zuvor im steten Wechsel dreißigmal hintereinander die Herzdruckmassage durchführte und anschließend die Puppe zweimal beatmete.



Von der Fürtherin Ute Fuchs vom Jugendrotkreuz Bergstraße lernten die Jungen und Mädchen u.a., wie sie verschiedene Verletzungen erstversorgen und unterschiedliche Wundverbände richtig anlegen.


"Wir haben jedes Jahr einen großen Zulauf. Die Nachfrage übersteigt bislang immer unser Angebot. Aber so mächtig wie dieses Jahr, war diese noch nie. Das freut uns und bestätigt unsere Arbeit", berichtete Barbara Holzapfel-Hesselmann, die den Schulsanitätsdienst an der Heinrich-Böll-Schule mit aufgebaut hat und koordiniert. Beim Schulsanitätsdienst gebe es keine Einzelkämpfer, das Miteinander stehe im Vordergrund. Einer lerne vom anderen. All dies gefalle der engagierten Lehrerin besonders gut.
Eine leere oder unvollständig gepackte Sanitätstasche kann im Ernstfall entscheidende Minuten kosten. Zu den Aufgaben eines Schulsanitäters gehören deshalb auch das Verwalten, Warten und Ergänzen des Sanitätsmaterials. Aber auch der von der Schule zur Verfügung gestellte Raum, in dem sie Verletzte betreuen und die dafür notwendigen Materialien lagern können, muss regelmäßig aufgeräumt und sauber gehalten werden.
Wichtig ist auch das Erstellen eines Plans mit den Dienstzeiten der Schulsanitäter, damit sie im Notfall schnell geholt werden können. An der HBS werden pro Schultag immer vier bis acht feste Schüler eingesetzt, wobei stets ein erfahrener Schulsanitäter aus den höheren Klassen die Leitung und damit auch Verantwortung für sein Team übernimmt. Mit Funkgeräten und gelber Weste ausgestattet, beobachten sie während der Pausen unterschiedliche Bereiche des Schulhofs und stehen im ständigen Kontakt zur Zentrale im Sanitätszimmer. Aber auch regelmäßige Weiterbildungen und wiederholte Trainingseinheiten kommen nicht zu kurz. So treffen sich die Jugendlichen immer zweimal im Monat, um ihr Wissen zur Ersten Hilfe zu vertiefen und erweitern. Mit verschiedenen Aktionen wollen sie zudem Spenden für weitere Anschaffungen sammeln. Selbstgemachte Waffeln und heißer Kinderpunsch sollen die Spendenbereitschaft der Schulgemeinde schon im Dezember ankurbeln.



Mithilfe von Puppen übten die Jugendlichen die Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung, die bei Atem- und Kreislaufstillstand lebensnotwendig sind. Auf 30 Kompressionen folgen zwei Beatmungen.


"Der Schulsanitätsdienst geht weit über Erste Hilfe hinaus. Unsere Schüler übernehmen Verantwortung für ihre Mitschüler. Sie leisten Erste Hilfe und informieren, wenn nötig, sogar den Rettungsdienst. Dies erfordert nicht nur Wissen, sondern auch Einfühlungsvermögen, Selbstbewusstsein sowie Teamfähigkeit", bilanziert Andreas Stüber. Der Dienst sei eine wahre Bereicherung, so der kommissarische Schulleiter, denn es würden Menschlichkeit, Hilfeleistung und Toleranz trainiert, was wiederum das soziale Klima der HBS positiv beeinflusse.