Deutsch-englische Freundschaft funktioniert

Die Heinrich-Böll-Schule empfing ihre englische Partnerschule aus Whitby mit einem bunten und abwechslungsreichen Programm. Anfängliche Schüchternheit und sprachliche Zurückhaltung verflogen im Nu.

Wahre Freundschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie auch unter schwierigen Umständen bestehen bleibt. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Beziehung zwischen der Heinrich-Böll-Schule und ihren englischen Partnerschulen in Whitby, vor allem der Eskdale School. Lange Zeit war nicht klar, ob in diesem Jahr ein Wiedersehen überhaupt zustande kommt, denn die englischen Freunde mussten gegen institutionelle und organisatorische Mühsalen kämpfen.
Doch die deutsch-englische Freundschaft funktioniert, denn so schnell wollte Ian Bloor, stellvertretender Schulleiter der Eskdale School, die mehr als 13 Jahre bestehende Verbundenheit nicht aufgeben. Er setzte erfolgreich alle Hebel in Bewegung und trat schließlich mit insgesamt sechs Schülern und seiner eigenen Familie per Flugzeug und Bahn eine abenteuerliche Reise nach Deutschland an.
"Endlich, ich kann es kaum erwarten, dass Ruby ankommt", erklärte Nina ungeduldig, als sie am Weinheimer Bahnhof auf ihre englische Austauschschülerin wartete. Im vergangenen Schuljahr hatten sich bereits unzählige Jungen und Mädchen beworben, um an dem äußerst beliebten Schüleraustausch der integrierten Gesamtschule teilnehmen zu dürfen. Nina hatte Glück, denn sie war eine der wenigen, die in diesem Jahr ausgewählt wurde und einen Platz ergatterte. "Wir wissen, dass viele Schüler der HBS gerne bei diesem Projekt dabei gewesen wären. Die Nachfrage war riesig. Wir hoffen sehr und arbeiten auf beiden Seiten schwer daran, dass in Zukunft möglichst viele Schüler in den Genuss der Tour kommen", betonten die Lehrer Julia Müller und Gernot Oberle, die für die Organisation maßgeblich verantwortlich sind. Aus den Reihen der Fachschaftskollegen bekamen sie zusätzliche Unterstützung.



Das Schloss Heidelberg ist der Inbegriff deutscher Romantik für Touristen aus der ganzen Welt. Kein Wunder, dass die HBS-Schüler diese beeindruckende Ruine ihren englischen Austauschschülern zeigen mussten.


In den vergangenen Monaten schrieben sich Nina und Ruby öfter, schickten Bilder hin und her und lernten sich so besser kennen. Jetzt endlich war der große Augenblick gekommen, bei dem sich die beiden nun gegenüber standen und begrüßten. Nach einem ersten Kennenlernen in den Austauschfamilien ging es für die englischen Schüler bereits am nächsten Morgen mit einem ganz gewöhnlichen Unterrichtstag an einer deutschen Schule, der Heinrich-Böll-Schule, los. Die englischen Schüler waren sehr interessiert, denn für sie ist so ein deutscher Unterrichtstag eben nicht so gewöhnlich. Bei ihrem Einblick lernten sie kulturelle sowie strukturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten kennen.
An den nächsten beiden Tagen standen für die Gruppe Ausflüge nach Heidelberg und Frankfurt auf dem Programm. Besonders die Schifffahrt auf dem Neckar vorbei an beeindruckenden Burgen, Schlössern und Burgruinen, aber auch der Besuch im Museum Senckenberg, dem größten Naturkundemuseum in Deutschland, gefielen den Schülern sehr. Dabei fiel auf, wie unbefangen die HBS-Schüler mit ihren englischen Freunden redeten. "Die Austauschschüler und ihre Partner rücken von Tag zu Tag immer näher zusammen. Beide Seiten genießen es sichtlich, Zeit miteinander zu verbringen und sich in der jeweiligen Fremdsprache auszutauschen. Anfängliche Schüchternheit und sprachliche Zurückhaltung verfliegen schnell. Das ist praxisnaher Sprachunterricht, der sich nachhaltig positiv auswirkt", kommentierten die Pädagogen die Kommunikation unter den Jugendlichen.
Wie nah sich die beiden Gruppen bereits waren und wie gut sie sich verstanden, zeigten sie darin, dass sie kurzer Hand beschlossen, den Geburtstag einer englischen Gastschülerin gemeinsam zu feiern und den Abend zusammen zu verbringen. Der engagierte Einsatz der Odenwälder Gastfamilien kam hier ebenfalls deutlich zum Vorschein. "Die Familien standen immer als Ansprechpartner bereit und eröffneten den englischen Austauschschülern viele Möglichkeiten. Ohne diese Engagement ist ein solcher Austausch, der einen festen Bestandteil des Fremdsprachunterrichts darstellt, überhaupt nicht denkbar", betonte der Englischlehrer Gernot Oberle.
Am Samstag hieß es dann "Time to say goodbye", wobei die eine oder andere Abschiedsträne über die deutsche oder englische Wange kullerte. Die Englischlehrer der HBS sowie Ian Bloor der Eskdale School in Whitby waren sich bei ihren Abschiedsworten einig: Die Partnerschaft müsse auch in den nächsten Jahren gepflegt werden. Beide Seiten sicherten bestmögliche Unterstützung für den Erhalt und die Förderung dieser Freundschaft zu.
"Ich kann es kaum abwarten, nach England zu kommen und deine Familie und Freunde kennenzulernen", so Nina zu ihrer Austauschschülerin Ruby. Auch aus Rubys Abschiedsworten hörte man deutlich heraus, dass sie gerne noch etwas länger bei ihren Gastgebern in Fürth geblieben wäre - eine vielsagende Bestätigung.