Die Friedensstifter auf dem Pausenhof

Die Heinrich-Böll-Schule geht in der Gewaltprävention neue Wege.

Inzwischen gibt es sie an vielen Schulen in Deutschland: Streitschlichter. Immer wenn sich Schüler in die Haare kriegen, greifen nicht die Lehrer, sondern ihre ausgebildeten Mitschüler ein. Mit Beginn des neuen Schuljahres haben sich gleich 35 HBS-Schüler an das Abenteuer "Streitschlichtung" gewagt.
Während ihrer Ausbildung lernten die Mediatoren von der Pädagogin Barbara Holzapfel-Hesselmann, was einen guten Streitschlichter ausmacht, welche Regeln für Streitende gelten und wie es gemeinsam gelingen kann, zu einer friedlichen Lösung zu kommen. In Rollenspielen erprobten die Jugendlichen das Erlernte und bemerkten, dass es nicht immer so leicht ist, alltägliche Streitigkeiten zu schlichten und eine Lösung zu finden, mit der beide Streithähne einverstanden sind. "Wenn die Schüler selbst nach Lösungen suchen, dann werden diese von den Beteiligten besser akzeptiert und sind dadurch dauerhafter. Die Schüler übernehmen mehr Verantwortung für ihr Handeln und lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Das Schulklima wird hierdurch maßgeblich verändert", so Barbara Holzapfel-Hesselmann über das Ziel ihrer Trainingseinheiten.
Für die Schlichtungsgespräche wurde in der Schule extra ein ruhiger Raum geschaffen. Dorthin können sich die Streitschlichter mit ihren Streitenden zurückziehen, um den Konflikt zu klären. Im Laufe des Schuljahres soll dieser Raum noch gemütlich eingerichtet werden, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Auf alten Sprossenfenster sollen die Leitlinien der Streitschlichtung festgehalten werden. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Fenster. Einst gehörten sie zum Haus des viermaligen Fomel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, der als fairer und sauberer Sportler bekannt ist.



Gut zu erkennen am orangefarbenen Schlüsselband um den Hals, sind die Streitschlichter der Heinrich-Böll-Schule, wenn sie auf dem Pausenhof ihren Dienst wahrnehmen.


"Als Streitschlichter sind wir Schlichter und keine Richter, was manchmal gar nicht so einfach ist. Auch haben wir für jeden ein offenes Ohr", erklärt die ausgebildete Schülerin Alissa. Der 15-jährige Patrick schildert das Prozedere: "Wir verfahren immer nach einem bestimmten Ablauf. Zunächst werden die Regeln erläutert. Beide Seiten kommen dann zu Wort und können ihre jeweiligen Sichtweisen genau schildern. Die Hintergründe werden betrachtet und Verständnis für die Gegenseite geweckt. Wir versuchen immer, die Streitenden so zu unterstützen, dass sie möglichst selbst eine Lösung für ihren Konflikt finden. Diese Vereinbarung wird aufgeschrieben und unterschrieben. Nach etwa zwei Wochen findet ein weiteres Treffen statt, um zu besprechen, ob die Streitenden sich an die Absprache gehalten haben."
Gewalt gegen die Streitschlichter komme kaum vor, immerhin hätten streitende Schüler nur ein Problem miteinander und daher keinen Grund, die Helfer anzugreifen, berichtete Barbara Holzapfel-Hesselmann, die sich mit den Streitschlichtern allwöchentlich trifft, um die Mediationstechniken weiter auszubauen, zu üben und noch stärker zu verankern.
Am orangefarbenen Schlüsselband um den Hals sind die neuen Streitschlichter nun auf dem Pausenhof der Heinrich-Böll-Schule zu erkennen. Jeder übernimmt pro Schultag mindestens einen Dienst, um auftretende Konflikte zu schlichten.
"Dies ist ein wichtiges Projekt für ein harmonisches und gewaltfreies Schulklima, bei dem Schüler ihren Mitschülern helfen. Streitschlichter zu werden ist eine tolle Sache und ganz nebenbei bringt so eine Ausbildung zum Streitschlichter auch Vorteile für später. Zum Beispiel, wenn es mal darum geht, sich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben", bilanziert der kommissarische Schulleiter Andreas Stüber.