Für das Netz gibt es keinen Radiergummi

Die Achtklässler der Heinrich-Böll-Schule nehmen an zwei Tagen die eigene Mediennutzung selbstkritisch unter die Lupe.

Das Smartphone als multimedialer Alleskönner, aber auch Tablet und Laptop stehen bei Jugendlichen hoch im Kurs. Nahezu überall und jederzeit machen diese Geräte einen Austausch mit anderen Menschen möglich. Mit den Chancen steigen unvermeidlich auch die Risiken dieser Kommunikationsmöglichkeiten. Insbesondere Heranwachsende müssen neue Regeln in der anonymen Kommunikation und in der Weitergabe ihrer persönlichen Daten erlernen. Im Rahmen zweier Medientage setzten sich deshalb rund 170 Schüler der Heinrich-Böll-Schule mit ihrem Konsum und ihrer Kommunikation im digitalen Universum auseinander.
Bereits zum fünften Mal in Folge empfing die Fürther Schulgemeinde das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Dreieich (MuK) sowie die Beamten der Polizeidirektion Bergstraße. Für die inhaltliche Planung der Medientage zeichnete Anne Schmitt vom MuK verantwortlich, die zusammen mit ihrem Team zahlreiche Workshops zu unterschiedlichen Themen konzipierte: Smartphone, WhatsApp, Computerspiele, Film- und Bildsprache, Cypermobbing, Apps, Altersfreigaben u.v.m.



Das Thema Passwörter betrifft jeden - egal ob E-Mail-Konto, Bildschirmsperre auf dem Smartphone oder das Anmelden auf dem heimischen PC. Das MuK-Team zeigte den Schülern, wie ein sicheres Passwort auszusehen hat.


An den beiden Tagen beschäftigten sich die Schüler der integrierten Gesamtschule sowohl theoretisch wie auch praktisch mit den digitalen Medien. Dabei reflektierten sie ihren persönlichen Umgang, ebenso standen Urheberrechte, Strahlenbelastung, Kostenfallen, ethische Umgangsformen auf dem Programm, wie die Produktion eines Videoclips. In einem Selbsttest erfuhren sie, wie sicher ihr eigenes Passwort tatsächlich ist.
"Obwohl sie sich täglich mit den digitalen Trends beschäftigen, finden sich die Jugendlichen in diesem endlosen Universum nicht immer zurecht. Unser Ziel ist, dass die Schüler aus den unzähligen Angeboten gezielt auswählen, diese reflektiert nutzen und auch bewerten können. Wer bewusst und begründet entscheiden kann, ob und in welchem Umfang er an der digitalen Welt teilnehmen will, nur dem kann so schnell nichts passieren", erläuterte die MuK-Bildungsreferentin Anne Schmitt ihr Projekt zur Förderung der Medienkompetenz.
Während die Schüler nacheinander alle Workshops durchliefen, wurden so manchen beispielsweise klar, dass wenn man sich ins digitale Rampenlicht begibt, viele nett gemeinte Kommentare erhalten kann, aber man auch ganz schnell sexuelle Anmachen oder boshafte Anmerkungen abbekommt. Die Referenten rieten deshalb dazu, nichts zu posten, was später peinlich werde, denn fürs Netz gäbe es keinen Radiergummi. Den Schülern wurde auch erklärt, dass Facebook, Instagram und WhatsApp zu einer Firma gehören. Ganz persönliche Bilder oder Videos, die darüber geteilt werden, sind am Ende auch Eigentum dieser Firma. Schließlich wurden ihnen Nachrichtendienste, wie zum Beispiel Threema, als eine sichere Alternative genannt. Alle Daten werden dort so verschlüsselt, dass sie nur der Empfänger lesen kann. Besonders kritisch sollten sie bei Downloadberechtigungen sein, denn es mache keinen Sinn, dass beispielsweise eine App für eine Taschenlampe gleichzeitig Zugriff auf den Standort benötige.



Der Jugendkoordinator der Polizeidirektion Bergstraße Peter Hoffmann stellte die Gefahren im Mediendschungel vor. Auch seine Kollegin Bettina Noll gab wertvolle Tipps zum sicheren Umgang im Internet, denn viele nutzen Soziale Netzwerke zu leichtgläubig und geben darin zu viel Privates preis


Im Workshop "Meine Medien und ich" erarbeitete Jan Ruland mit den Jugendlichen das Thema "Mediensucht". Den Schülern wurde deutlich, dass auch der Computer mit all seinen Verlockungen ein enormes Suchtpotenzial darstellt. Auch warnte er eindringlich vor dem sogenannten "Sexting", bei dem Jugendliche als Beweis des Vertrauens oder der Treue intime Fotos von sich an den Partner schicken. Wenn die Beziehung nicht mehr funktioniere, bestehe die Gefahr, dass die Fotos Monate später aus Eifersucht oder Enttäuschung an Dritte verschickt werden. "Unsere Schüler werden oft unbewusst ganz schnell selbst zu Tätern, indem sie genau solches Material weiterleiten oder gar kommentieren. Aufklärung verändert die Kommunikationskultur in positiver Hinsicht und verhindert, dass junge Menschen Opfer einer Straftat werden", so der HBS-Lehrer Sven Spottka, der die Medientage in dieser Form vor fünf Jahren ins Leben rief.
Beim abschließenden Gespräch mit der MuK-Bildungsreferentin Anne Schmitt und ihren sieben Begleitern sowie Peter Hoffmann und Bettina Noll (Polizeiliche Jugendarbeit) wurde deutlich, dass Prävention, Aufklärung und Beratung ungemein wichtig sowie förderlich für die Kommunikationskultur der Jugendlichen sind.
"Die schon fast unerträgliche Hitze in den Sälen hat unsere Schüler nicht davon abgehalten, wissbegierig mitzuarbeiten und über ihr eigenes Verhalten im Umgang mit den Medien nachzudenken. Doch auch die qualitativ hochwertige Darbietung, die stets aktualisierten Themen und die eingespielte sowie verlässliche Mannschaft machen diese Veranstaltung zu einer runden und vor allem gewinnbringenden Sache. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen", fasste Christina Hantke zusammen, die dieses Projekt schon als festen Termin für das kommende Schuljahr eingeplant hat. Auch Eveline Vieweg, Stufenleiterin für die siebten und achten Klassen, ließ es sich nicht nehmen, allen Referenten für ihre hervorragende Arbeit persönlich zu danken.