Nachdenken statt nachschenken

Die Schüler lernten während des Präventionsprojekts der Heinrich-Böll-Schule die Gefahren von Rauschtrinken, Flat-Rate-Saufen und Koma-Trinken kennen.

Alkohol in der Schule? Das ist selbstverständlich strikt verboten. Trotzdem gibt jeder dritte bis vierte Schüler an, regelmäßig zu trinken. Alkohol ist ein relevantes Thema für Jugendliche und wird damit gleichzeitig ein unverzichtbares "Muss" im Unterricht. Um ihre Schüler vor den Gefahren des Alkohols zu bewahren, organisierte die Heinrich-Böll-Schule zum dritten Mal in Kooperation mit der Barmer GEK ein Präventionsprojekt, an dem alle Schüler des neunten Jahrgangs teilnahmen. Ziel war die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema - speziell dem Rauschtrinken, um die Jugendlichen und ihr Umfeld zum bewussten Nachdenken sowie verantwortungsvollen Umgang zu bringen.
Auch wenn das Trinkverhalten im Vergleich vor 30 bis 40 Jahren weniger geworden ist, gibt es aktuelle Entwicklungen, die große Sorgen bereiten. Jugendliche trinken heute vermehrt alkoholische Mixgetränke, die trotz eines hohen Alkoholgehalts süß schmecken. Durch den Zucker gehen sie schnell ins Blut, der Rausch überfällt die Jugendlichen schlagartig, ganz plötzlich geht gar nichts mehr. Ist zusätzlich Koffein enthalten, ist ein Kreislaufkollaps nicht ausgeschlossen. Weitere besorgniserregende Trinkmuster sind das Rauschtrinken, bei dem innerhalb kurzer Zeit extrem viel getrunken wird - aber auch das "Flat-Rate-Saufen" (einmal bezahlen und dann trinken, so viel man möchte) oder das Koma-Trinken (Trinken bis zum "Filmriss").



Mit der Rauschbrille spürten die Schüler am eigenen Leib, wie schwierig einfachste Dinge im Vollrausch plötzlich werden.


Mit Filmen und einer gelungenen Präsentation zeigte Marion Moser, Bezirksgeschäftsführerin der Barmer GEK, wie extrem gefährlich solche Trends für die Gesundheit sind. Nur wenige Schüler wussten, dass Alkohol betäubt und somit das zentrale Nervensystem blockieren kann, dass Atmung und Puls so schwach werden, bis man ohnmächtig wird. "Wer Glück hat und gefunden wird, macht auf der Intensivstation, in Windel gewickelt, die Augen wieder auf. Im schlimmsten Fall aber wacht man gar nicht mehr auf, weil man am eigenen Erbrochenen erstickt ist. Ein hoher Preis für etwas Spaß am Wochenende", so die deutliche Warnung der Referentin, die die Schüler auch darüber informierte, was sie im Ernstfall unternehmen müssen, um das Leben eines Jugendlichen zu retten, der nicht mehr ansprechbar ist.
Um am eigenen Leib zu spüren, wie eine Person im Vollrausch sein Umfeld "wahrnimmt", gingen die Schüler mit Rauschbrille auf Tour. Einfachste Dinge, wie entlang einer weißen Linie zu laufen, etwas vom Boden aufzuheben oder einen Ball zu fangen, fielen ihnen sichtlich schwer. Schließlich kam ein Schüler auf die Idee, eine SMS auf dem Handy zu schreiben, während man durch diese Brille schaute. Täglich verfassen sie in null Komma nichts solche Kurznachrichten, von daher machten sie sich zielbewusst an diese Übung. Doch schon beim Schreiben fiel ihnen auf, dass sie länger als gewöhnlich brauchten. Nachdem sie die Brille abnahmen, waren sie zudem überrascht, dass ihr verfasster Text nicht lesbar war.



Trotz größter Konzentration beim Schreiben war die verschickte SMS auf dem Handy des Empfängers nicht lesbar.


"Das Trinken bis zum Rausch findet fast ausschließlich in Gruppen Gleichaltriger statt. Für diese Cliquen ist das gemeinsame, exzessive Trinken ein fester Bestandteil. Wer dazu gehören möchte, muss mittrinken. Ein Wochenende ohne Alkohol gibt es immer seltener und unbewusst rutscht man immer mehr in die Abhängigkeit. Genau das wollen wir unseren Schülern vor Augen führen", erklärte der HBS-Lehrer Sven Spottka, der zusammen mit seiner Kollegin Christina Hantke das Projekt plante.
"Dass Jugendliche alkoholische Getränke kennenlernen möchten, ist normal. Verbote, Drohungen und abschreckende Beispiele werden kaum verhindern, dass sie erste Erfahrungen mit Alkohol sammeln. Doch je besser sie wissen, warum ein hoher Alkoholkonsum ein Risiko ist und wie man vor allem am Limit bleibt, desto leichter ist es für sie, selbst zu entscheiden, ob, wie oft und wie viel Alkohol sie trinken. Ziel ist der verantwortungsvolle Umgang damit. Auch den zukünftigen neunten Klassen werden wir dieses Projekt ermöglichen, denn Prävention ist gerade auf diesem Gebiet außerordentlich wichtig", fasste Christina Hantke zusammen und dankte der Referentin für deren umfassenden und aufschlussreichen Informationen.