Stärken und Neigungen der Schüler herausfinden

Kompo 7

Unter Federführung der Heinrich-Böll-Schule stand zwei Tage lang das Kompetenzfeststellungsverfahren "KomPo7" auf dem Programm. Das Projekt soll Möglichkeiten der beruflichen Orientierung für Schüler der Jahrgangsstufe 7 aufzeigen.
"Unser Ei-Rettungssystem heißt Ei-Fanginator", erklärte Jassin, während sein Mitschüler Samuel auf einen Stuhl stieg. In seiner Hand hielt er ein rohes Ei und ließ es aus einer Höhe von 2,50 Meter fallen. Auf dem Boden stand ein selbstgebautes spektakuläres Gerüst aus 25 Strohhalmen, welches das Ei vor dem Kaputtgehen retten soll.
Für rund 40 Schüler des siebten Jahrgangs der Heinrich-Böll-Schule (HBS) sah vor den Sommerferien der reguläre Unterricht etwas anders als üblich aus. Während zwei Tagen wurden bei dem Kompetenzfeststellungsverfahren "KomPo7" immer vier Schüler von zwei geschulten Personen bei handlungsorientierten Aufgaben beobachtet. Individuelle Fähigkeiten, wie Arbeitsplanung, Kreativität, Durchhaltevermögen, Problemlösungsstrategien, Motivation, Team- sowie Konfliktfähigkeit und Kommunikation nahmen sie dabei unter die Lupe. Das Beobachterteam der HBS setzte sich aus Lehrern der Schule, Berufseinstiegsbegleitern, Paten und ehrenamtlichen Helfern zusammen.



Dominic Bylitza erläutert den Siebtklässlern der Heinrich-Böll-Schule die Ausbildungsmöglichkeiten in seinem Betrieb und gibt Tipps für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche.


Jannick, Jassin, Samuel und Jason bekamen am zweiten Tag die Aufgabe, gemeinsam eine Murmelbahn aus einer Rolle Kreppband und 40 Blättern Papier zu bauen. Die Bahn sollte so konstruiert werden, dass die Murmel möglichst lang rollt. Eifrig und motiviert machten sich die Vier ganz unterschiedlich ans Werk: Samuel und Jannick griffen gleich zu den Materialien und versuchten im gemeinsamen Gespräch eine Lösung zu finden. Jassin hingegen zog es vor, zuerst eine Skizze anzufertigen, während Jason noch mal die Anleitung sorgfältig durchlas. "Wir waren ein super Team und es hat viel Spaß gemacht", so die Gruppe einstimmig. "Schade, dass die Murmel im entscheidenden Moment an einer kleinen Stelle stecken blieb. Trotzdem ist keiner schuld. Wenn wir gemeinsam gewinnen, dann verlieren wir aber auch zusammen!"
Zum Feststellungsverfahren gehören neben den zahlreichen praktischen Aufgaben ein Interessenstest sowie eine Selbsteinschätzung. Auch wird ein von den Schülern vorbereitetes Interview mit Gästen aus der Arbeitswelt durchgeführt und später auf einem Plakat dargestellt. In diesem Jahr war Dominic Bylitza, Inhaber des Fürther Edeka Marktes, in der Schule, um sein erfolgreiches Unternehmen vorzustellen, über verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren sowie die zahlreichen Fragen der Schüler zu beantworten.
Nach der Auswertung der beiden Tage erhielt jeder Schüler in einem Feedback-Gespräch, an dem auch Eltern teilnahmen, eine individuelle Rückmeldung über die beobachteten Kompetenzen und Fähigkeiten. Die Ergebnisse sollen den Schülern in Zukunft nicht nur die Berufswahl erleichtern, sondern auch Hilfestellung geben bei der Wahl eines geeigneten Platzes im Schulpraktikum.



Der Bau einer möglichst langen Murmelbahn aus 40 Blatt Papier und einer Rolle Kreppband war nur eine von vielen abwechslungsreichen Aufgaben und Herausforderungen, um die persönlichen Interessen und Stärken der Jungen und Mädchen herauszufinden.


"Das Verfahren berücksichtigt in erster Linie außerschulische Erfahrungen und Begabungen der einzelnen Jugendlichen. Wir wollen in den beiden Tagen herausfinden, was sie können - und nicht, was sie nicht können. Gemeinsam mit den schulischen Leistungen stellt diese Kompetenzfeststellung dann den Ausgangspunkt für eine individuelle Förderung der Schüler auf dem Weg in den Beruf dar", erklärte die Lehrerin Katharina Sattler, die zusammen mit ihrem Kollegen Felix Hartkorn für die Organisation verantwortlich war.
Zum vierten Mal wurde das Kompetenzfeststellungsverfahren, was vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft entwickelt wurde, an der integrierten Gesamtschule durchgeführt. KomPo7 leistet somit schon in der siebten Jahrgangsstufe einen Beitrag zur Förderung der Berufswahl und der Ausbildungsreife.
"Die Heinrich-Böll-Schule hat sich als integrierte Gesamtschule seit Langem auf die Fahnen geschrieben, die Berufsorientierung für die Schüler zu optimieren und den Übergang von der Schule in das Berufsleben möglichst problemlos zu gestalten. Es wird immer wichtiger, die Jugendlichen frühzeitig und intensiv auf das Berufsleben vorzubereiten. Je besser das Wissen über Berufe, den Berufsalltag und die eigenen Fähigkeiten - sprich Kompetenzen - sind, desto leichter fallen die Wahl und der Einstieg", betonen Felix Hartkorn und Katharina Sattler, die beiden Schulkoordinatoren für Berufs- und Studienorientierung der HBS. Ihr Ziel ist es, Jugendlichen einen Einstieg in ihre berufliche Zukunft zu schaffen - ohne unnötige Umwege, Abbrüche und Warteschleifen.