"Achtung Auto" - Aktionstag an der Heinrich-Böll-Schule

Mit praktischen Übungen sorgte das Verkehrssicherheitstraining bei den Fünftklässlern für ein neues Verständnis, was Geschwindigkeit und Bremsvermögen in der Realität angehen.

Mit Tempo 50 kommt der Opel Corsa angerast und geht plötzlich in die Vollbremsung. Zum Stehen kommt das Auto jedoch erst nach über 20 Metern. Mit so einem langen Anhalteweg haben die Fünftklässler der Heinrich-Böll-Schule beim ADAC-Verkehrssicherheitsprogramm "Achtung Auto" so gar nicht gerechnet.
Auf ihrem täglichen Weg zur Schule werden Schüler mit dem Straßenverkehr konfrontiert und den damit verbundenen Gefahren ausgesetzt. Wegen ihrer geringeren Körpergröße fehlt hier besonders jüngeren Kindern vielfach der Überblick. Auch ist ihnen nicht bewusst, dass bewegte Objekte, also auch Fahrzeuge, nicht so schnell anhalten können, und jeder Mensch, egal ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer, einen Reaktionsweg hat, der das Anhalten zusätzlich verzögert. Zum Verkehrsunterricht der fünften Klassen der Heinrich-Böll-Schule gehört deshalb jedes Jahr das ADAC-Verkehrssicherheitsprogramm "Achtung Auto", welches auf dem Prinzip "learning by doing" basiert. Das Sicherheitstraining ist zusätzlich ein Teil des HBS-Programms, das den Übergang der Neuen weiterhin begleitet und unterstützt.



Nach einer theoretischen Einführung über die Gefahren im Straßenverkehr, folgte für die Schüler der praktische und damit spannendste Teil.


Vor zwei Wochen war es dann für die Jüngsten der HBS endlich soweit: Unter der Regie des ADAC-Trainers Andreas Metzner durften die Fünftklässler mit praktischen Übungen und reichlich Schüleraktivität den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit, Reaktionsweg, Bremsweg, Fahrbahnbeschaffenheit und dem daraus folgenden Anhalteweg erfahren, und zwar sowohl aus der Perspektive des Fußgängers als auch des Mitfahrers im Auto.
Nach einer theoretischen Einführung über die Gefahren im Straßenverkehr, folgte für die Schüler der praktische und damit spannendste Teil. Als Fußgänger mussten die Kinder auf eine Entfernung von zehn Metern so schnell sie konnten, zurennen. Bei einer zuvor auf den Boden gezeichnete Haltelinie sollten sie schließlich eine "Vollbremsung" hinlegen. Das Staunen und die Verwunderung waren groß, als sie feststellten, dass sie erst ein ganzes Stück hinter der eigentlichen Linie zum Halten kamen.
In einer weiteren Übung vermittelte ihnen der Trainer, dass zum Anhalten nicht nur der Bremsweg, sondern auch der Reaktionsweg entscheidend ist. Erneut durften die Kinder loslaufen, doch diesmal sollten sie versuchen, auf ein Fahnensignal hin, sofort stehen zu bleiben. Überrascht stellten sie fest, dass sich der Anhalteweg noch mal um ein gutes Stück verlängert hatte. Der ADAC-Trainer erklärte ihnen, warum der Vorgang des Bremsens in solchen Situationen deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt.



Als Mitfahrer im Auto durften die Fünftklässler einen echten "Bremstest" erleben, der ihnen die Notwendigkeit der richtigen Sicherung im Fahrzeug deutlich vor Augen führte.


Jetzt wurde es so richtig ernst, denn nun sollten die HBS-Schüler ihr bis dahin Gelerntes auf ein Fahrzeug übertragen. Dazu stellte jedes Kind ein Hütchen an den Straßenrand, und zwar an die Stelle, von der es glaubte, dass das Auto zum Stillstand kommt. Andreas Metzner vom ADAC stieg anschließend ins Auto, beschleunigte und ging dann in die Eisen. Nicht nur die Vollbremsung war eindrucksvoll, sondern auch das Ergebnis ihrer Schätzung. Welche Kinder im Ernstfall in Sicherheit gewesen wären, wurde dann herausgearbeitet.
Am Ende des Tages erhielten die Kinder die Möglichkeit, aus der Sicht des Beifahrers die Situation einer Notbremsung zu erleben. Der Wagen wurde zunächst rückwärts beschleunigt und anschließend per Vollbremsung angehalten. Dann ging die Fahrt mit Vollgas nach vorne, bis wieder mit voller Wucht gebremst wurde. Die Notwendigkeit der richtigen Sicherung im Auto wurde den Kindern dabei deutlich vor Augen geführt. Beeindruckt und mit einem neuen Verständnis für Geschwindigkeit und Bremsvermögen von Fahrzeugen stiegen sie aus dem Auto.
"Was man selbst erlebt, versteht und merkt man sich besser. Kindern fällt es besonders schwer, grundlegende physikalische Gesetze zum Verkehr zu verstehen und in der Praxis anzuwenden. Die richtige Einschätzung von Gefahrensituationen, ein gutes Reaktionsvermögen und die Theorie dahinter sind auf diese Art und Weise am nachhaltigsten für sie", so der HBS-Lehrer Matthias Brandau, der das ADAC-Training seit Jahren organisiert.
Zum Abschluss erhielten die Klassenlehrer eine Arbeitsmappe, mit der die erworbenen Kenntnisse zum Verhalten im Straßenverkehr noch einmal in den nächsten Wochen vertieft werden.