Zeitungslektüre als Unterrichtsstoff

Deutschkurse der Heinrich-Böll-Schule untersuchen Printmedien / Großes Interesse

Johannes blättert in der Odenwälder Zeitung. Er kämpft mit den Papierbögen. Zeitunglesen ist anfangs keine Routineangelegenheit für Florian. Doch von Tag zu Tag wächst die Vertrautheit mit diesem Medium. Nach fünf Tagen ist der Achtklässler der Heinrich-Böll-Schule ein begeisterter Konsument der druckfrischen Nachrichten. "Irgendwie gewöhnt man sich an die Zeitung", findet der Schüler und macht seinen Deutschlehrer im gleichen Atemzug auf eine interessante Meldung aufmerksam.
Zeitungslektüre steht auf dem Stoffplan im Fach Deutsch. Die Pädagogen der integrierten Gesamtschule möchten ihre Schüler mit einem wichtigen Medium vertraut machen. Soziale Netzwerke, neue Medien, Radio und Fernsehen dominieren im Leben der Jugendlichen, wenn es darum geht, Informationen zu sammeln und sich über Ereignisse zu informieren. Im Deutschunterricht wird ihnen jedoch mit der Lektüre der Heimatzeitung - im wahrsten Sinne schwarz auf weiß - vor Augen geführt, dass alle andere Medien längst nicht so detailreich und kommentierend berichten wie eine Zeitung.





Die Schüler lernen den Unterschied kennen zwischen einem meinungsbildenden Kommentar und einem informierenden Bericht. Sie merken, wie aufschlussreich-unterhaltsam eine Reportage sein kann und lachen über eine Glosse, die obendrein zu einer Diskussion animiert. Die tägliche Lektüre vermittelt den Jugendlichen auch einen Eindruck vom Leben in ihrer Region. "Jetzt erst wird mir bewusst, wie viele Vereine im Odenwald und an der Bergstraße aktiv sind", bemerkt Laura. Hannah hingegen richtet ihren Blick stärker auf das Sportgeschehen, ob es nun die Dortmunder Borussia ist oder der heimatliche Fußballverein. "In der Odenwälder Zeitung ist für jeden was drin", lautet das treffende Fazit von Sabine.
Natürlich belassen es die Lehrer nicht nur beim Lesen: Die Schüler müssen in die Rolle von Reporter schlüpfen und selbst Berichte verfassen. Dabei, das wissen die Pennäler mittlerweile, sind die "W-Fragen" von immenser Bedeutung. Die Jugendlichen sind mit Eifer bei der Sache; noch nie hat ihnen das Schreiben so viel Freude bereitet.
Möglich wurde das Zeitungsprojekt dank der Unterstützung der hiesigen Heimatzeitungen, die täglich über mehrere Wochen kostenlos Zeitungen zur Verfügung stellten. Das Entgegenkommen der Medienhäuser hat sich für beide Seiten gelohnt: Die Deutschlehrer konnten ein wichtiges Thema am Objekt behandeln, die Schüler erlebten einen etwas anderen Deutschunterricht und die Zeitungsverlage haben zukünftige Leser gewonnen.