Gemüse und Bewegung statt Fastfood und Mattscheibe

Mit ihrem selbst organisierten Projekt "Gesund leben" sorgten die Schüler Sarah Werner, Eduard Usherenko, Jeldrik Holsmölle und Noah Kurzbuch der Bensheimer Fachoberschule der Karl Kübel Schule (KKS) bei den jungen Sechstklässlern der Heinrich-Böll-Schule (HBS) für Spaß sowie Freude an Bewegung und gesunder Ernährung. "Igitt, Zucchini und Pilze - das esse ich auf keinen Fall!" oder "Bäh, da sind ja Paprikastücke in der Soße!" - die und viele andere Sprüche bekommen Eltern und Pädagogen gleichermaßen an den Kopf geworfen, wenn sie Kindern gesunde und ausgewogene Nahrung vor die Nase setzen. Wenn sie dann auch noch versuchen, diese vom Bildschirm wegzubekommen, ist schlechte Laune regelrecht vorprogrammiert. Unzählige Studien belegen es, ausreichend Bewegung und die richtige Nahrung sind entscheidend, wenn es um die Gesundheit geht. Wie aber um alles in der Welt, überzeugt man jedoch die Kinder, ohne dabei jedes Mal mühsamen Diskussionen ausgesetzt zu sein? Das Stichwort heißt Rollentausch! Grundsätzlich liegt in der Natur des Menschen, sich zu bewegen und sich bewegend die Welt anzueignen. In den letzten Jahrzehnten hat sich allerdings die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen erheblich verändert. Spiel- und Bewegungsräume sind zunehmend weniger geworden, andere Plätze sind nur schlecht erreichbar. Gleichzeitig haben die Angebote zur "sitzenden" Freizeitbeschäftigung mit Computer, Spielkonsole oder Fernseher erheblich zugenommen, sodass die Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang nur noch sehr beschränkt ausleben. Hinzukommt, dass aufgrund veränderter Lebensrhythmen und Arbeitsbedingungen die gemeinsame Zubereitung und Einnahme von Mahlzeiten immer weniger im Elternhaus stattfindet. So passiert es regelmäßig, dass das Mittagessen aus Fastfood-Produkten besteht.



"Gesund leben" nennt sich das Projekt, an dem die Klasse 6/2 der Heinrich-Böll-Schule und ihr Lehrer Gernot Oberle teilnehmen durften. Eigenständig organisiert wurde dieses Projekt von einer Schülergruppe der Bensheimer Karl Kübel Schule.


Genau diese Gründe waren es, die die Schülergruppe der Fachoberstufe der Karl Kübel Schule zum Anlass nahmen, das Projekt "Gesund leben" auf die Beine zu stellen, welches von Mutgard Hornbacher, einer betreuenden Lehrkraft der KKS, schließlich auch benotet werden sollte. Ihr großes Ziel war die eigenständige Organisation, Planung, Durchführung und Reflexion eines Projekttages, bei dem Kinder Spaß und Freude an Bewegung und gesunder Ernährung erfahren. Zur Realisierung ihres Projektes benötigten die Schüler natürlich freiwillige Probanden, wobei hier ihre Wahl auf eine sechste Klasse (6/2) der Heinrich-Böll-Schule (HBS), die von Gernot Oberle als Klassenlehrer geleitet wird, fiel. Die Entscheidung wurde an dieser Stelle von der Gruppe ganz bewusst getroffen. Die Verbundenheit zu "ihrer alten Schule" war vor allem für Sarah Werner, die vor einiger Zeit selbst noch Schülerin der HBS war, der ausschlaggebende Grund. Bevor es dann aber tatsächlich mit Bewegung und Kochen losgehen konnte, war allerhand Vorarbeit nötig: die Gestaltung ausarbeiten, den Ablauf planen, Kosten kalkulieren, Sponsoren finden, Materialien besorgen, Genehmigungen einholen, Absprachen treffen, die Räumlichkeiten besichtigen, Informationen zur Klasse einholen und und und. Doch all dies schreckte die Projektgruppe der KKS keineswegs von ihrem Vorhaben ab, im Gegenteil - je näher der Tag rückte, desto größer wurde ihre Motivation.



In der Küche der HBS machten sich die Schüler eifrig ans Werk. Für das leckere und zugleich gesunde Menü wurden u.a. Zwiebel geschält, Paprika gewaschen, Zucchini geschnippelt und Pilze zerkleinert.


Kurz vor den Ferien trafen die Jugendlichen schließlich auf 25 gespannte Jungen und Mädchen der Heinrich-Böll-Schule. Die Klasse wartete neugierig darauf, was die "Großen" denn nun mit ihnen vorhatten. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung ging es zuerst in die Sporthalle der HBS. Hier waren verschiedene Stationen vorbereitet, an denen sich die Kinder so richtig austoben durften. Ganze zwei Stunden begleiteten die Jugendlichen die Sechstklässler und zeigten ihnen aktiv, wie viel Spaß Bewegung machen kann. Der zweite Teil des Projekttages fand in der Schulküche der HBS statt. Ausgestattet mit Messer, Brettchen und Schüssel machten sich die Schüler eifrig ans Werk. In einigen Ecken wurde gewaschen, geschält und geschnippelt, in anderen wurde bereits gekocht und gebraten. Schon nach kurzer Zeit duftete es auf den Gängen der HBS so lecker, dass bald neugierige Köpfe zur Tür reinragten und auf einen abfallenden Leckerbissen hofften. Nachdem die Tische gedeckt waren, wurde in großer Runde das selbstzubereitete Mittagessen eingenommen. Die rasch eintretende Stille belegte, dass es wirklich jedem schmeckte. "Oft genug hören die Eltern und wir Lehrer, dass die Kinder kein Gemüse essen und es sogar noch nicht mal probieren wollen. Auf den Hitlisten der meist gehassten Gemüsesorten stehen mit Sicherheit an vorderster Stelle Zucchini. Jetzt schau ich in die Runde und sehe lauter leer geputzte Teller, obwohl im selbst gekochten Gericht so Dinge wie Zucchini oder Pilze zu finden waren. Die Jugendlichen der Karl Kübel Schule haben einen tollen Job gemacht, denn sie alleine haben es geschafft, die Kinder für eine ausgewogene Ernährung zu begeistern. Es freut mich, dass dieses Projekt so gut bei meiner Klasse ankam. Dieser Tag war Lernen für das Leben, hat Gemeinschaft gestiftet und zusätzlich Freude gebracht - besser hätte es nicht sein können", resümierte der Klassenlehrer Gernot Oberle. Glückliche und vor allem zufriedene Gesichter konnte man auch bei den Jugendlichen der Karl Kübel Schule entdecken. "Die ganze Vorarbeit und die Mühen haben sich wirklich gelohnt. Die Jungs und Mädchen der HBS hatten heute sichtlich viel Spaß und Freude. Außerdem haben sie Hand in Hand gearbeitet und tolle Ergebnisse geliefert, die uns wirklich stolz machen. Ich hätte nie gedacht, dass das Projekt so gut läuft. Schließlich haben wir so etwas ja zuvor auch noch nicht gemacht", so Sarah Werner. In Zukunft nehme man ein paar motivierte ältere Jungen und Mädchen und lässt diese mit Bällen sowie gesunden Zutaten auf jüngere Schüler los. Schon nach kurzer Zeit vertilgen die Kinder freiwillig Gemüse und halten sich mit Bewegung fit. Wer hätte gedacht, dass die Lösung so simple sein kann!