Deutsch-französische Schulpartnerschaft besteht seit 40 Jahren

Die Heinrich-Böll-Schule und ihre Partnerschulen aus Thizy feiern ihre langjährige Verbundenheit.

"Frankreich ist Deutschlands engster und wichtigster Partner in Europa", so beschreibt das Auswärtige Amt die Beziehung zwischen den beiden Ländern. Ein lebender Beweis für diese besondere deutsch-französische Verbundenheit findet man nicht nur in den weltbekannten Metropolen Berlin und Paris. Einen solchen entdeckt man eigens im beschaulichen Odenwald, denn seit genau 40 Jahren besteht hier eine enge Freundschaft zwischen der Heinrich-Böll-Schule (HBS) und den beiden französischen Schulen "Lycée Francois Mansart" sowie "Collège la Platière" in Thizy les Bourgs. Seit einiger Zeit zählt außerdem noch eine weitere Schule, das "Collège François Brossette", in Cours-la-Ville dazu. Stets aufs Neue wird die über mehrere Jahrzehnte existierende Partnerschaft mit Leben erfüllt. Gerade erst endete ein Besuch einer Gruppe aus Frankreich. Mit einer kleinen Feier hatte die integrierte Gesamtschule ihre Gäste am Tag ihrer Ankunft willkommen geheißen. Dabei ließen es sich Bürgermeister Volker Oehlenschläger und Wolfgang Pieper als ehemaliger Schulleiter der HBS sowie Vertreter des Partnerschaftsvereins Fürth-Thizy nicht nehmen, die Angereisten persönlich zu begrüßen und in Empfang zu nehmen. Mit dabei waren auch der kommissarische Schulleiter Andreas Stüber sowie Eveline Vieweg, Stufenleiterin der siebten und achten Jahrgänge. In gemütlicher Runde wurden die französischen Austauschschüler im Nu mit ihrer Gastfamilie warm, sodass erste Heimweh-Ängste schon bald verflogen. Obendrein machten sie sich mit dem deutschen Essen vertraut, denn ein riesiges Buffet bot viele verschiedenen Leckereien aus dem Odenwald.



Die seit 40 Jahren existierende Partnerschaft wurde in den vergangenen Wochen erneut mit Leben gefüllt, denn beim Schüleraustausch konnten die Odenwälder Schüler und ihre französischen Freunde ihre Verbindung wiederholt vertiefen.


Am nächsten Tag erlebten die Austauschschüler ihren ersten deutschen Schultag. Als die Zeugnisse verteilt wurden, staunten sie nicht schlecht. Im Traum würde es ihnen nicht einfallen, sich so wie die deutschen Kinder über die Note 2 oder gar 1 zu freuen. Dazu muss man wissen, dass im französischen Schulsystem eine Notenskala mit 20 Punkten benutzt wird, wobei 20 die höchste und 0 die niedrigste Punktzahl ist. Anders als in Deutschland wäre somit die Note 1 für sie kein Grund zur Freude. Das Wochenende verbrachten die französischen Jugendlichen bei ihren Gasteltern. Ein Besuch im Heidelberger Schloss, ein Ausflug nach Weinheim oder das Schlittschuh fahren dienten so ganz nebenbei als Anlass für lebendige Gespräche zwischen den deutsch-französischen Freunden. Die Schüler aus Thizy sowie deren betreuende Lehrer Roland Boichon und Michèle Blandin verbrachten die nächsten Tage in der integrierten Gesamtschule. Sie besuchten den Unterricht und bekamen einen Eindruck vom deutschen Schulsystem. Im Fach Französisch dienten sie natürlich als Experten, was äußerst praktisch für die Neuntklässler war. Der Grund - im April möchten diese das französische Sprachdiplom "Diplome d'Etudes en Langue Française" (DELF) als zusätzliche Qualifikation erwerben. Zur Vorbereitung konfrontierten die Muttersprachler deshalb die HBS-Schüler mit Alltagssituationen, wie ein Einkauf auf dem Wochenmarkt oder die Bestellung im Restaurant. Die anschließenden Tipps und Hinweise wurden schließlich dankend angenommen. Beim Ausflug ins Wellnessbad "Miramar" nach Weinheim kam am Dienstag jede Wasserratte auf ihre Kosten. Stundenlang sprangen die Schüler in die Wellenbrandung oder ließen sich im warmen Wasser des Strömungskanals treiben. Den Adrenalin-Kick bekamen mutige Rutschenfans im "Hurricane Loop" beim fast freien Fall mit zusätzlichem Doppellooping der Extraklasse. Aber auch die Trichterrutsche "Splash" ließ jede Menge deutsche sowie französische Freudenschreie erklingen. "Frau Müller muss weg" lautet der Titel des Kinofilms im Viernheimer Kinopolis, das die 65-köpfige Gruppe zwei Tage später besuchte. Der durchweg schwarzhumorige Film, der von Medien bereits als "beste Schulkomödie seit der Feuerzangenbowle" bezeichnet wird, beschäftigt sich mit dem hiesigen Bildungssystem. Bei süßem Popcorn und kaltem Getränk wurden die Lachnerven der deutschen und französischen Schüler gleichermaßen getroffen. Abgerundet wurde der Ausflug mit einem Bummel durch das Rhein-Neckar-Zentrum. "Eine wichtige Voraussetzung für das gegenseitige Verständnis ist die Kenntnis der Partnersprache. Je besser wir uns kennen, die Sprache sprechen, den Alltag erleben und die Lebenshintergründe erfahren, desto größer wird dieses Verständnis auf beiden Seiten. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine dauerhafte und fortbestehende Beständigkeit. Es macht uns stolz und freut uns, dass es gelungen ist, die entstandene Freundschaft zu den beiden Schulen seit nun 40 Jahren aufrechtzuerhalten und zu vertiefen", so der federführende Organisator der HBS, Sven Spottka. Die Fachschaft Französisch der HBS zählt mit Silvia Hantke, Brigitte Harder, Astrid Schulze Icking und Sven Spottka vier engagierte Lehrkräfte, die ihren Schülern ein regelmäßiges Zusammentreffen mit den französischen Austauschschulen ermöglichen und damit sowohl zur Sprachförderung als auch zur Festigung dieser Freundschaft wesentlich beitragen. "Die Zusammenarbeit und Abstimmung mit unseren französischen Kollegen ist einmalig, die Stimmung jedes Mal von Beginn an hervorragend. Besonders schön ist, dass auch hier mittlerweile eine enge Verbindung zwischen uns entstanden ist. Wir sind guten Mutes, dass die lebendige Freundschaft zwischen unseren Schulen auch noch die nächsten 40 Jahre Bestand haben wird", so Oberstudienrat Sven Spottka über die deutsch-französische Beziehung. Im Sommer planen die deutschen und französischen Lehrer diesmal eine ganz besondere Begegnung mit dem Nachbarland. Ziel ist jeweils das Kennenlernen einer Großstadt. Die HBS fährt nach Paris, während es die Franzosen vermutlich in die Hauptstadt Österreichs nach Wien oder gar Salzburg zieht. Beim nächsten Wiedersehen wird diese einmalige Reise für viel Gesprächsstoff zwischen den Odenwälder Schülern und ihren französischen Freuden sorgen - das ist sicher.