Im Tod sind wir doch alle gleich

Die Heinrich-Böll-Schule gewährte authentische Einblicke in das Berufsleben eines Bestatters.

"Um Himmelswillen! Was macht euer Papa?" Das sind üblicherweise die ersten Reaktionen, wenn der Schüler Kevin Rauscher (8/4) und seine Schwester Marina (5/2) erzählen, dass ihr Vater Bestatter ist. Vor den Herbstferien wurden allerdings viele dieser ersten Vorurteile aus der Welt geschafft, denn ihr Vater kam zu Besuch an die Heinrich-Böll-Schule, um über die vielfältigen Aufgaben seines Berufs zu informieren. Sechs Wochen lang beschäftigten sich die Schüler des zehnten Jahrgangs im Religionsunterricht mit der Einheit "Tod und Sterben". "Menschen, die authentische Einblicke in dieses sensible Thema geben können, sind an dieser Stelle oft besser als wir Lehrer oder gar Bücher. Wir wollen hier eine Situation schaffen, die dem Schüler intensiv und nachhaltig in Erinnerung bleibt", so die Schulpfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann sowie die Religionslehrerin Alexandra Birkle, die das Bestattungshaus Rauscher aus Rimbach zu sich in den Unterricht einluden. Es entkeimte sogleich angeregtes Gerede, als am letzten Schultag vor den Herbstferien (17.10.) der Bestatter Andreas Rauscher mit einer schlichten weißen Urne mit goldenem Kreuz den Klassensaal betrat. Keiner der Schüler war zuvor mit solch ein Behältnis zur Aufbewahrung der Asche eines Toten in Berührung gekommen. "Ich habe so etwas schon öfters mal im Film gesehen. Aber jetzt ist es schon ein komisches Gefühl, wenn man so eine Urne in Wirklichkeit sieht und sich dann vorstellt, dass dies der letzte Platz eines Verstorbenen ist", so die Zehntklässlerin Anna. Besonders gespannt hörten die Schüler zu, als Andreas Rauscher über die Möglichkeiten der Bestattung erzählte. Neben der bekannten Erdbestattung und Verbrennung gibt es auch Bestattungen, die auf hoher See oder sogar im Weltraum stattfinden.



Eine schlichte weiße Urne mit goldenem Kreuz brachte das Bestattungshaus Rauscher aus Rimbach mit.


"Im Trauerfall muss vieles entschieden und geregelt werden und in dieser schweren Anfangszeit helfen wir den Zurückgebliebenen. Im Vordergrund unserer Arbeit steht vor allem die Persönlichkeit des Verstorbenen. Deshalb gestalten wir die Sargausstattung sowie die gesamte Dekoration der Trauerhalle dem Wesen und letzten Willen entsprechend. Es gibt immer wieder spezielle Wünsche, wie zum Beispiel ein bunter Sarg in fröhlichen Farben", berichtete der Bestatter aus Rimbach. Sich auf die verschiedenen Menschentypen mit verschiedenen Vorstellungen und Gebräuchen vorbehaltlos einzustellen, sei der wichtigste Auftrag des Bestatters. Religion, politische Einstellung oder gesellschaftlicher Stand interessiere in seinem Beruf nicht, schließlich, seien wir im Tod doch alle gleich. Auch wenn sein Bestattungshaus schon viele Jahre existiert, sei immer wieder schwer, wenn Kinder und junge Menschen versterben oder man ein Unfallopfer herrichten müsse. Eine gesunde Distanz sei hier besonders notwendig, um abends ruhig einschlafen zu können.



Andreas Rauscher gewährte den HBS-Schülern einen Einblick in sein vielfältiges Berufsleben als Bestatters.


Geregelte Arbeitszeiten gibt es in diesem Beruf nicht. Da der Tod auch vor der Nacht oder gar Weihnachten keinen Halt macht, muss Rauscher jederzeit erreichbar sein. Da heißt es dann auch mal nachts um zwei, die Überführung eines Toten zu organisieren. Trotz der Trauer, die in seinem Beruf immer allgegenwärtig ist, gibt es für Rauscher auch schöne Momente. "Der Tod ist für die Hinterbliebenen eine schmerzliche Erfahrung. Jeder geht mit dem Abschied auf unterschiedlichster Weise um. Einige lassen besondere Lieder erklingen, spielen mit einem Instrument ein wundervolles Musikstück oder tragen ein selbstgeschriebenes Gedicht vor. Andere wiederum geben dem Verstorbenen etwas Besonderes mit, wie Familienfotos, Kinderzeichnungen oder auch Briefe. Wanderern wird manchmal der Stock oder Bergsteigern ein Seil auf die letzte Reise mitgegeben. Es ist ergreifend, mit welchen liebevollen Ideen und Gesten Abschied genommen wird - das beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue", so der Bestatter aus Leidenschaft.