Eine Atempause zum Runterkommen

Die Heinrich-Böll-Schule schafft ihren Schülern eine Ruheinsel der Entspannung und Besinnung

Schule und Entspannung mögen nicht so recht zusammenpassen, dem werden wohl erstmal die meisten Schüler zustimmen. Doch ganz anderer Meinung sind da einige Lehrer der Heinrich-Böll-Schule, die für ihre Schüler mit der sogenannten "Atempause" etwas Besonderes ins Leben gerufen haben.
Der Alltag der Kinder ist heute deutlich durchgeplanter als früher, denn sowohl in als auch außerhalb der Schule gibt es viel mehr Angebote, die den Kindern ganz unterschiedliche Chancen für ihr Leben bieten. So wartete manchmal ein Termin nach dem anderen auf sie und mitunter wird es dabei schwierig, einfach mal "runterzukommen" oder "ein bisschen Zeit für sich zu haben". Wer von dieser irdischen Betriebsamkeit mal eine Pause machen möchte, hat in der Heinrich-Böll-Schule nun jeden Freitag die beste Gelegenheit dazu.
Unter dem Motto "Nimm dir Zeit für dich!" laden Schulpfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann sowie Religionslehrerin Alexandra Birkle an jenem Tag den fünften bis zehnten Jahrgang in der ersten großen Pause zu einer sogenannten "Atempause" ein. Mithilfe von Mediation und Reflexion schaffen sich hier die Schüler Raum für ihre Bedürfnisse und Wünsche und legen dabei den Fokus ganz auf sich. Gedankenanstöße zu sich, den Mitmenschen und Gott durchbrechen dabei das übliche Einerlei und sollen den Kindern und Jugendlichen helfen, sich für einen Moment auf einer Ruheinsel vom Alltag zu entspannen.



Jeden Freitag gibt es für die HBS-Schüler in der ersten großen Pause eine "Atempause" zum Runterkommen und Abschalten.


"Unser Ziel ist es, den Schülern Raum und Zeit zu geben, damit sie runterkommen und einfach mal die Seele baumeln lassen können. Es wird ihnen hier ein Augenblick geschenkt, bei dem sie über sich, die Welt und Gott nachdenken dürfen. Wenn es uns regelmäßig gelingt, Momente der Achtsamkeit in den Alltag der Schüler zu integrieren, nur dann erfahren sie wahre Entspannung", erklärt die Schulpfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann. "Mit diesem Projekt möchten wir als Schule und Lehrer einen Teil dazu beitragen", ergänzt der kommissarische Schulleiter Andreas Stüber, der diese Idee als zusätzliche Bereicherung für die Jugendlichen sieht.
Oftmals ist es gar nicht so einfach, Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen. Umso wichtiger ist es den beiden Organisatorinnen, neben der Entspannung und der Auszeit vom Alltag auch die Sprachfähigkeit der Schüler zu unterstützen und zu fördern. Immer wieder werden deshalb die Schüler zum Beispiel mithilfe von Rollenspielen, vielen Bildern, meditativen Phasen und neuen Liedern aktiv in die Gestaltung der "Atempause" einbezogen.
"Eingeladen zu unserer Atempause sind alle und zwar mal ganz bewusst nicht als Schüler, sondern als Personen, Christen, Moslems, Atheisten - einfach als Menschen, die eine Atempause brauchen. Wir freuen uns, wenn die Neugier der Schüler überwiegt und sie dieses besondere Angebot wahrnehmen", so abschließend die Religionslehrerin Alexandra Birkle.