Nasses Vergnügen wird zum unvergesslichen Erlebnis

Die Schüler der Heinrich-Böll-Schule lernten die typischen Lebensweisen ihrer französischen Austauschfreunde der Partnerstadt Thizy kennen.

Obwohl Frankreich gar nicht weit weg ist, so ist in unserem Nachbarland doch so einiges ganz anders. Die typisch französische Lebensweise und der Stolz der Franzosen sind einzigartig. Aber auch der Schulalltag ist in Frankreich ein völlig anderer als in Deutschland. Solche und noch viele andere authentische Erfahrungen machten rund 30 Schüler der Heinrich-Böll-Schule bei ihrer Austauschfahrt nach Frankreich.
Am Dienstagmorgen (23.09.) machte sich der Reisebus, vollgepackt mit zahlreichen Mitbringseln aus der Heimat, rund 30 neugierigen Schülern sowie zwei routinierten Lehrkräften, auf die große Fahrt zur französischen Partnerstadt Thizy les Bourgs, die sich nord-westlich von Lyon in der Region "Rhône Alpes" befindet. Auch wenn dieser Ort "nur" 630 km südlich von Fürth liegt und seine Landschaft dem Odenwald gleicht, so herrschte bei der Ankunft doch teilweise große Aufregung und Angespanntheit unter den Schülern. Schließlich trafen sie nun endlich ihren unbekannten Austauschschüler, von dem sie bis jetzt nur einen Steckbrief mit Foto gesehen und ein paar geschriebene Worte gelesen hatten. Andere wiederum waren gelassener, denn sie kannten ihre französischen Gastfamilien schon aus den vergangenen Jahren und freuten sich auf das bevorstehende Wiedersehen.
Seit vielen Jahren unterstützen die Französischlehrer der Heinrich-Böll-Schule die über 40 Jahre bestehende Freundschaft zur Partnerstadt Thizy und organisieren jedes Jahr für die achten bis zehnten Jahrgänge diesen Austausch, der von den Schülern mit großer Beliebtheit angenommen wird. Besonders trägt das abwechslungsreiche und interessante Programm, das die Schüler während dieser Zeit erleben, dazu bei. Aber auch der Aufbau einer langjährigen Freundschaft unterstützt dies, denn die Schüler können, wenn sie möchten, in gleich drei aufeinanderfolgenden Jahren ihre Gastfamilien besuchen.
Auch in diesem Jahr stellten die beiden betreuenden Französischlehrer, Astrid Schulze Icking und Sven Spottka, ein 10-tägiges Programm auf die Beine, das viele Überraschungen und unvergessliche Erlebnisse für die Schüler und ihre Austauschfreunde parat hatte. So durften die Schüler gleich am nächsten Tag Schulluft auf Französisch schnuppern, indem sie ihre neuen Freunde zum alltäglichen "cours", dem Unterricht, begleiteten. "Das ist im Vergleich zu unserer Schule doch ganz schön anders", erklärte ein Achtklässler. "Eine Schulstunde dauert hier 55 Minuten, außerdem haben sie zum Teil erst um 18:00 Uhr Schulschluss, müssen dann aber noch lernen und Hausaufgaben machen. Ganz ungewohnt ist, dass das Schulgebäude von einer großen Mauer mit bewachtem Eingangstor umgeben ist. So etwas kann ich mir in Fürth gar nicht vorstellen." Auch in der Mensa warteten ungewohnte Dinge auf die Jugendlichen, denn zu Hause bekamen diese zum Mittagessen noch keine Meeresfrüchte serviert.
"Genau solch eindringlichen Begegnungen sind unser Ziel. Auf sehr authentischer Weise lernen so unsere Schüler Land, Leute und typische Lebensweisen kennen. Ganz selbstverständlich dürfen sie sich zusätzlich in der Landessprache ausprobieren. Besser und nachhaltiger lässt sich eine Fremdsprache nicht erlernen, zumal sich die gewonnene Motivation positiv auf den Französischunterricht auswirkt", betonte Oberstudienrat Spottka.
"De la nage en eau vive" war der Programmpunkt für Freitag und gleichzeitige Höhepunkt der Woche, unter dem sich keiner der Mitreisenden auf Anhieb etwas vorstellen konnte. Die Spannung stieg, als die deutsch-französische Gruppe, ausgestattet mit Handtuch und Badesachen, in "Saint Pierre de Boeuf", ein kleines Dorf südlich von Lyon, ankam und wildes Wasserrauschen hörte. Wenige Minuten später saßen sie in einem Schlauchboot und begaben sich auf eine rasante Fahrt in einem künstlich anlegten Wildwasserkanal. Mit gebündelter Kraft und gemeinsamem Rhythmus bezwangen sie schließlich das lebhafte, nur 22 °C kalte Wasser, was zusätzlich das Miteinander im deutsch-französischen Team stärkte und allen Insassen viel Spaß bereitete. Erschöpft und glücklich berichteten sie am Abend ihren Gastfamilien von dem nassen Vergnügen.



Gruppenfoto der Austauschschüler


Das Wochenende verbrachten die deutschen Jungen und Mädchen bei ihren neuen Freunden. "Wir sind jedes Jahr aufs Neue begeistert, wenn uns unsere Schüler erzählen, was ihre französischen Gastgeber mit ihnen unternommen haben. Da gibt es Familien, die den Jugendlichen die schönsten Flecke ihrer Region zeigen, andere machen zu Ehren ihres Besuchs ein großes Fest mit allen Verwandten. Auch stehen sportliche Unternehmungen wie Schwimmen oder Klettern auf dem Programm. Es werden oftmals keine Kosten und Mühen gespart, um den Unbekannten das Land näherzubringen", lobte Astrid Schule Icking die Gastlichkeit der Franzosen.
Dass ein Tag ohne ihre französischen Mitschüler als Hilfsdolmetscher eine Herausforderung sein kann, die durchaus Spaß macht, erlebten die deutschen Schüler am Montag, als sie selbstständig die vielbesuchte Metropole Lyon erkundeten. Die Kirche "Notre-Dame de Fourvière", die historische Altstadt "Le Vieux Lyon" und der Platz "Place Bellecour" waren nur einige von den Sehenswürdigkeiten, die sie eigenständig finden und erkunden mussten. "Auch wenn am Ende des Tages vielleicht die Geldbeutel etwas leerer waren, so erweiterten die Schüler ihren französischen Wortschatz beim Shoppen, Bestellen der Getränke und Fragen nach dem Weg ungemein - und das ist für sie eine unbezahlbare Erfahrung", so der Französischlehrer Sven Spottka.
"Es hat allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Der Schüleraustausch war wieder ein echter Erfolg, der den Schülern unterschiedlichste Einrücke bot und das Interesse für das Nachbarland und seine Sprache noch stärker geweckt hat", bilanzierten die beiden Französischlehrer. "Frankreich war klasse. Meine Gastfamilie war toll, auch das Land hat mir gefallen. Meine Austauschschülerin und ich haben ausgemacht, dass wir ab sofort regelmäßig per Webcam chatten wollen - denn sie will nächstes Jahr unbedingt zu mir nach Fürth kommen", fasste eine Neuntklässlerin ihre Eindrücke begeistert zusammen.