"Aus dem altbekannten Vertrauten geht's ins Unbekannte"

Feierliche Verabschiedung der Abgänger an der Heinrich-Böll-Schule / 72,6 Prozent haben Qualifikation für die Oberstufe

Fahnen werden aufgehängt, Birkenstämmchen gestellt, Bühnen gebaut und Musikstücke geprobt: Vormittags laufen die Vorbereitungen für die Verabschiedung der Abgänger an der Heinrich-Böll-Schule auf Hochtouren. Den Neunt- und Zehntklässlern, die ihren Weg an der integrierten Gesamtschule beendet haben, will man eine feierliche Entlassung bereiten. Immerhin ist eine wichtige Etappe im Leben geschafft. Matthias Brandau, der am vergangenen Freitag in der geschmückten und bis auf den letzten Platz prall gefüllten Sporthalle für die Klassenlehrer die Abschiedsrede hielt, formulierte es griffig-treffend: "Aus dem altbekannten Vertrauten geht es ab ins Unbekannte". Das "Unbekannte" ist für eine große Zahl eine weiterführende Schule, immerhin schafften 72,6 Prozent der 168 Abgänger die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe - eine beachtliche Zahl, auf die der kommissarische Schulleiter Andreas Stüber mit Stolz hinwies.
Stolz sind auch die Abgänger, die sich für den feierlichen Abschluss in Schale geworfen haben: Aus den Mädchen sind junge Damen in hochhackigen Schuhen und feinen Abendkleidern geworden, aus den Jungs kaum wiederzuerkennende junge Männer im feinen Zwirn mit Schlips oder wahlweise Fliege. Die jungen Leute wissen um die Bedeutung des Anlasses und genießen ihren Erfolg. Ein Strahlen liegt auch auf den Gesichtern der Eltern und Angehörigen. Verständlich, war der Weg zum Abschluss nicht immer mit Erfolgen gepflastert. Mit einem Wort: Es herrscht eine Atmosphäre der Freude, die auch die Lehrer in vollen Zügen genießen.
Weder Bürgermeister Volker Oehlenschläger noch Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann, weder der Schulelternbeirat noch Vertreter des Fördervereins lassen sich diesen Abend entgehen. Sie alle werden vom kommissarischen Schulleiter Andreas Stüber herzlich begrüßt. Es sei, so Stüber erläuternd, der "Abschluss eines Lebensabschnittes"; das Ende der Pubertät schloss er damit ein. Die Eltern erhielten ein Stück Freiheit zurück, bemerkte der Schulleiter mit einem Lächeln. Mit einem "ordentlichen Rüstzeug" könnten die Abgänger die nun anstehenden Herausforderungen bewältigen. Sein Dank galt den Eltern und den Lehrern für deren wichtigen Beitrag zum Erfolg.
Bürgermeister Volker Oehlenschläger verglich den Abschluss mit dem Erhalt des Führerscheins. "Ihr müsst nun selbst das Lenkrad in den Händen halten", erklärte er den Jugendlichen. Er macht auf wichtige Werte wie Zivilcourage, Hilfsbereitschaft oder Nächstenliebe aufmerksam und appellierte an die Abgänger, diese Werte zu achten. In Anlehnung an seinen Führerschein-Vergleich rief der Fürther Rathauschef den Abgänger zum Schluss eine "gute Fahrt" zu.
"Genießt den Moment", sagte Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann. Die Vertreterin der Kirchen versäumte es nicht, den jungen Leuten noch einige wichtige Tipps mit auf den weiteren Weg zu geben. Unter anderem sollten sie die kindliche Unbefangenheit bewahren, sie sollten sich Ziele setzen und diese mit Einsatz verfolgen. Bei allem Tun könnten sie sich eines sicher sein: "Gott ist an eurer Seite."



Die Vertreterin des Schulelternbeirates, Nicole Pietsch, gratulierte den Abgänger zum Erfolg und wünschte alles Gute auf dem weiteren Lebensweg. Sie nutzte den feierlichen Anlass, um der langjährigen Vorsitzenden Christina Burry zu danken. Christina Burry habe arbeitsreiche Jahre an der HBS bewältigt und "Großes geleistet." Die ehemalige Vorsitzende, so Pietsch weiter, habe immer ein offenes Ohr für die Eltern gehabt und sei ein vertrauensvoller Ansprechpartner für die Lehrer gewesen. "Du warst ein Fels in der Brandung", betonte Nicole Pietsch. Schulleiter Andreas Stüber schloss sich den Dankesworten an.
Der Vertreter des Fördervereins, Hans Georg Respondek, äußerte seine Überzeugung, dass die Schüler mit dem geschafften Abschluss die Zukunft meistern könnten. Sein Dank galt dem "engagierten Lehrerteam" und dem Schulleitungsteam, "das die unbesetzte Schulleiterstelle fast vergessen lässt." Dankesworte richtete Respondek auch an die Mitglieder des Fördervereins, die mit ihren monatlichen Beiträgen dazu beitragen, die pädagogische Arbeit an der integrierten Gesamtschule zu verbessern.
Auf sehr unterhaltsam-amüsante Weise nahm Matthias Brandau stellvertretend für alle Klassenlehrer Abschied von den Abgängern. Er erinnerte an "Pieps, die Schulmaus". Generationen von Schülern ist diese Maus bekannt, mussten sie doch in der fünften Klasse ein Diktat bewältigen, deren Inhalt sich um den kleinen Nager und die Einrichtungen der HBS drehte. Im Laufe der Zeit habe die kurze Geschichte über die neugierige Schulmaus äußerst zahlreiche neue Auflagen erfahren, erklärte Brandau. Beispielhaft nannte er die Veränderungen in der Schulleitung oder die - unerlaubte - Benutzung von Handys. Pieps habe längst begriffen: "Dauernd ändert sich alles, nichts ist geblieben, wie es war. Aus Klein wird Groß, aus Kind wird Erwachsener, aus Unselbstständig Eigenständig und schließlich auch: aus HBS-Schüler wird Azubi, Sozialdienstler, Oberstufenschüler".
Der erfahrene und sensible Pädagoge versäumte es nicht, darauf hinzuweisen, wie prägend die Schule respektive die Lehrer für die Abgänger sind: "Fast alles von dem, was ihr bei uns und mit uns erlebt habt, das Gute genauso wie das Schlechte, wird in euch weiterleben, eure Denken und Handeln in der Zukunft prägen, eure Gefühle färben, euch mutig und hoffentlich nur selten verzagt sein lassen." Matthias Brandau hatte natürlich auch interessante Empfehlungen parat: "Gebt dem Lebendigen in eurem Leben die Chance, sich zu entwickeln, lasst Veränderungen zu, begreift, dass nichts festgehalten werden kann."
Für die Schüler ergriff Tristan Fischer das Wort. Die Eltern seien stolz und die Lehrer glücklich, stellte der Abgänger fest. Sein Dank galt den Lehrern, der Schulleitung und dem Team der Schülervertretung.
Es folgte die Ehrung engagierter Schüler und die Verleihung der Zeugnisse. Alle Abgänger wurden auf die Bühne gerufen und erhielten aus den Händen ihrer Klassenlehrer die begehrten Zeugnisse - ein erhebender Moment für Schüler, Eltern und Lehrer.
Die charmante Moderatorin Claudia Böhm lud alle Anwesenden am Ende der gelungenen Veranstaltung zu einem fröhlichen Umtrunk in den Hof der Heinrich-Böll-Schule ein.