Alle Facetten des Lebens beleuchtet

"Comedy in der Schule" mit Osman Citir / Schüler der HBS vom Auftritt begeistert

Jede Medaille hat zwei Seiten. Das ist eine Binsenweisheit. Jugendliche blenden sie im Hinblick auf ihr Leben gerne radikal aus. Für sie besteht es oft nur aus "Chillen", "Spaß haben" und "cool drauf sein". Zum Leben gehören aber auch Schicksalsschläge, Anstrengungen, Entbehrungen, Disziplin und harte Arbeit. Beide Seiten der Lebensmedaille beleuchtete der Comedian Osman Citir in seinem Programm, das er Schülern des achten bis zehnten Jahrgangs der Heinrich-Böll-Schule präsentierte. "Ihr werdet Spaß haben, ihr werdet herzhaft lachen, ihr werdet nachdenklich sein, vielleicht auch sentimental, ihr werdet eine breite Facette an unterschiedlichsten Emotionen zeigen - das verspreche, nein, das garantiere ich euch für die nächsten beiden Stunden", betonte Lehrerin Astrid Schulze Icking, die den Auftritt organisiert hatte und Osman Citir herzlich begrüßte.
Unvermittelt stieg der 33jährige Citir in sein Programm ein. Von eingeübten Redewendungen und punktgenau gesetzten Pointen konnte keine Rede sein. Spontanität prägte den Auftritt des Odenwälders, der von Beginn an den Kontakt mit den Schülern suchte und sogleich auch fand. Citir hat die Gabe, die Sprache der Jugendlichen zu sprechen. Er versteht es, die Schüler zu fesseln, sie für seine Geschichten zu interessieren und sie geschickt in das Geschehen einzubinden.





Im ersten Teil stand niveauvoller Nonsens im Mittelpunkt: Citir machte sich beispielsweise lustig über die Tanzgewohnheiten Jugendlicher aus unterschiedlichen Ländern. Dabei nahm er Russen, Amerikaner, Türken und Deutsche gleichermaßen auf die Rolle. Citir, ein Türke, kann sich diese Späße erlauben. Seine Sprüche wirken lässig und keineswegs bösartig, sind sie doch immer unterlegt mit einem schelmischen Augenzwinkern. Dem Comedian geht es nicht darum, eine Gruppe bloßzustellen oder zu mobben, sondern die Eigenarten zu beleuchten. Damit erzielte er jede Menge Lacher; die Schüler waren hellauf begeistert vom oft auch mal seichten Humor des Comedian.
Wer glaubte, Osman Citir würde zwei Stunden lang "nur" Witze reißen und für Heiterkeit sorgen, sah sich abrupt getäuscht. Urplötzlich legte Citir den Schalter um: Aus dem eben noch albernden jungen Mann, wurde ein ernster Gesprächspartner. In glasklaren Worten machte Citir den Schülern deutlich, dass das Leben keine Dauerparty ist. Er führte den Jugendlichen unverblümt vor Augen, dass falsches Verhalten das gesamte weitere Leben bestimmen kann. Er warnte vor Drogen und appellierte an die Schüler, sich in der Schule zu engagieren.







Verblüfft waren die anwesenden Lehrer, denn genau diese Ratschläge geben sie den Jugendlichen zu jeder passenden Gelegenheit mit auf den Weg. Die "Moralpredigten" werden gebetsmühlenartig wiederholt - mehr oder minder gelangweilt aufgenommen von desinteressierten Jugendlichen. Warum hören sie bei Citir zu? Weshalb finden sie seine Ansprache "voll cool" und keineswegs "altmodisch" und "nervig"? Die Antwort ist leicht zu finden: Citir ist den Schülern sehr nah, er weiß, wie die Jugendlichen "ticken". Aus seinem Mund klingen die "Weisheiten" authentisch. Und er setzt Emotionen gezielt ein.
Mit anderen Worten: Comedy in der Schule ist keineswegs nur platte Unterhaltung, eine willkommene Abwechslung des grauen Schulalltags. Comedy in der Schule ist mehr: Es ist die Möglichkeit, Jugendliche für ihre eigenen Probleme zu sensibilisieren. Comedy in dieser Form bietet die Chance, mit Schülern ins Gespräch zu kommen, ihnen einen anderen Blick auf die Welt zu vermitteln. Genau aus diesem Grund war der Auftritt von Osman Citir eine echte Bereicherung des Schullebens.