Besondere Menschen mit besonderen Fähigkeiten

Schüler der Heinrich-Böll-Schule besuchten Behindertenwerkstatt / Viele Erkenntnisse

Mehrmals im Jahr rückt ein Gärtnertrupp an, um auf dem Gelände der Heinrich-Böll-Schule Hecken zu schneiden oder Unkraut zu jäten. Nur ganz wenige Schüler nehmen Notiz davon und keinem fällt auf, dass es sich bei den Arbeitern um behinderte Menschen handelt, die für die Lebenshilfe Bergstraße beziehungsweise deren Behindertenwerkstatt tätig sind. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes "Außendienstler". Die meisten Behinderten sind in den Werkstätten tätig, die sich einen Katzensprung entfernt von der Heinrich-Böll-Schule befinden. Religionsschüler des achten Jahrgangs der Heinrich-Böll-Schule besichtigten im Rahmen einer Unterrichtsreihe die Werkstätten.
Religionslehrerin Daniela Hirsch thematisierte im Unterricht das Leben behinderter Menschen und die Inklusion von behinderten Schülern in den Schulalltag einer Regelschule. Die Achtklässler erarbeiteten Konzepte für einen gemeinsamen Unterricht und skizzierten auftretende Schwierigkeiten, angefangen von behindertenfreundlichen Eingängen und Klassenräumen bis hin zu technischen Ausstattungen für seh- oder hörbehinderte Schüler.





Im Selbstversuch merkten die Achtklässler sehr schnell, wie schwierig die Fortbewegung in einem Rollstuhl sein kann, wenn sich schier unüberwindbare Hindernisse - beispielsweise sehr hohe Bordsteine - in den Weg stellen. In einem Rollenspiel versetzten sich die Schüler in die Situation eines Pflegers und eines Patienten, der sich füttern oder anziehen lassen muss. Schnell wurde den Jugendlichen deutlich, dass beide Seiten bis an die Grenze der Belastbarkeit gefordert sind.
Der Besuch der Behindertenwerkstatt hatte in der Unterrichtsreihe einen hervorgehobenen Stellenwert. Wie würden die Behinderten auf den Besuch reagieren? Wie geht man mit diesen Menschen um? Wie gehen die Behinderten mit den Besuchern um? Fragen, die sich die HBS-Schüler stellten und deren Unsicherheit zum Ausdruck brachte. Berührungsängste und Unsicherheit verflogen im Nu, als die Gäste die Herzlichkeit der Behinderten in den Werkstätten spürten. "Meine Schüler waren überrascht und beeindruckt von den Fähigkeiten, die Menschen mit Behinderung haben", betonte Religionslehrerin Daniela Hirsch.
Die Mitarbeiter in den Werkstätten müssen eine fehlerfreie Arbeit, immerhin fertigen sie Produkte für unterschiedlichste Wirtschaftsunternehmen an. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die behinderten Menschen mit enormer Konzentration und extremer Akribie ihre Tätigkeiten verrichten. Die Verantwortlichen der Lebenshilfe Bergstraße achten darauf, dass die Behinderten ihren Fähigkeiten und Talenten entsprechend eingesetzt werden. Auffällig sei, so Daniela Hirsch, das freundschaftliche Verhältnis zwischen Betreuer und Mitarbeiter gewesen.
Durch den Besuch der Behindertenwerkstatt konnten viele Bedenken ausgeräumt werden. "Die Jugendlichen haben schnell erkannt, dass Menschen mit Behinderung ganz besondere Menschen mit besonderen Fähigkeiten sind", fasste die Pädagogin die Eindrücke ihrer Schüler zusammen. Eins ist sicher: Die Achtklässler sehen den Gärtnertrupp in Zukunft mit ganz anderen Augen.