Der Blick auf das eigene Leben

Zehnte Klasse der Heinrich-Böll-Schule informierte sich über das Projekt "Verrückt? Na und!"

"Verrückt? Na und!" lautet ein Projekt des Diakonischen Werkes Bergstraße, an dem sich eine zehnte Klasse der Heinrich-Böll-Schule beteiligte. Einen Schultag lang hatten die Schüler die Möglichkeit, den Blick für das eigene Leben zu schärfen, Ängste und Vorbehalte gegenüber psychisch kranken Menschen wahrzunehmen und darüber zu reden. "Vielen Schülern wurde durch das Projekt bewusst, welche Arten psychischer Erkrankungen es gibt und wie viele Menschen davon betroffen sind", erklärte Klassenlehrerin Stephanie Steiner. Koordiniert und geleitet wurde das Seminar von der Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes Bergstraße, Birgit Kutscher.
Sie machte deutlich, dass psychische Gesundheitsprobleme bei Schülern und Lehrern in jüngster Zeit zunehmen und Krisen von Heranwachsenden oft in der Schule erkannt werden. Interessant ist auch die Tatsache, dass sich hinter Problemen wie Drogen, Alkohol, Mobbing und Gewalt meist seelische Probleme verbergen.





Ein wichtiges Thema war die Stigmatisierung der Kranken. Immer noch machen viele Menschen einen Bogen um psychisch Kranke oder tuscheln hinter vorgehaltener Hand über die "Macken" der "Verrückten". Psychisch Kranke lassen sich daher nur ungern in Fachkliniken einweisen, denn sie wissen, dass viele verächtlich und ausgrenzend über "Klapsmühlen" sprechen, in denen die "Verrückten" weggesperrt sind.
Dass jeder ganz schnell in eine seelische Schieflage kommen kann, machte Birgit Kutscher anhand von Zahlen und Beispielen deutlich. Versagensängste in der Schule können genauso dazu führen wie Probleme mit dem Partner oder dauerhafte Konflikte in der Gruppe. Den Schülern wurde bewusst, dass man vor Krisen nicht davonlaufen sollte, sondern sich mit ihnen, aber auch mit Glück im Leben beschäftigen sollte, denn nur dann ist seelische Gesundheit garantiert.
Eine ehemalige Patientin stand den Schülern Rede und Antwort. Sie schilderte in sehr authentischer Weise über ihren Krankheitsverlauf und den Weg aus der seelischen Krise. Gerade der Erfahrungsbericht sensibilisierte die Schüler einerseits für die Nöte und Probleme der betroffenen Menschen und andererseits für die vielfältige Unterstützung, die jeder geben kann. "Ich bin sicher, dass meine Schüler nach diesem Projekt ihre Einstellung und ihr Verhalten gegenüber psychisch Kranken überdacht und die Problematik erkannt haben", bilanzierte Klassenlehrerin Steiner.