Klassensaal verwandelt sich in Aufnahmestudio

Neunte Klasse der Heinrich-Böll-Studio beteiligt sich an Wettbewerb "Du bist Radio" / Als Reporter unterwegs

"Wir brauchen noch einen coolen Jingle", fordert Stephan und die umstehenden Jungs nicken zustimmend. Einen Tisch weiter hören sich vier Mädchen verschiedene Melodien an, während zwei Mitschülerinnen mit einem Mikrophon hantieren. Begriffe wie "Trailer", "Dropper" und "Stinger" schwirren durch den Raum. Ein unwissender Beobachter benötigt geraume Zeit, bis ihm klar wird, dass sich der Klassenraum einer neunten Klasse der Heinrich-Böll-Schule in ein Aufnahmestudio verwandelt hat. Die Jugendlichen sind in die Rolle von Radiomachern geschlüpft. Ergebnis ihres dreitägigen Schaffens ist ein sechzig Sekunden dauernder Beitrag, der beim Privatsender HIT RADIO FFH zu hören sein wird. Eine Jury und Zuhörer geben dann ihr Votum ab. Auf den Sieger wartet ein ansehnlicher Geldpreis.
Im vergangenen Jahr beteiligte sich Klassenlehrer Tobias von Ayx am Gemeinschaftsprojekt "Du bist Radio!" von HIT RADIO FFH, der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) und dem Institut für Medienpädagogik und Kommunikation (MuK) - Landesfilmdienst Hessen. Die positive Resonanz veranlasste Klassenlehrerin Astrid Schulze Icking nach Rücksprache mit ihren Schülern zu einer erneuten Teilnahme. Die Freude war groß, als die Zusage von HIT RADIO FFH ins Haus flatterte, zumal sich viele andere Schulen um eine Teilnahme am Wettbewerb "Du bis Radio!" beworben hatten. "Meine Klasse hat das Auswahlgremium mit einem gelungenen Bewerbungsschreiben überzeugt", erklärte Astrid Schulze Icking.



Mitsch Schulz und Astrid Schulze Icking bei der Arbeit mit Schülerinnen aus dem 9. Jahrgang


Auf Einladung des Senders nahm die Pädagogin an einer Fortbildungsveranstaltung teil, an der auch Kollegen der anderen ausgewählten Schulen zugegen waren. Die Lehrkräfte wurden von Mitarbeitern des Senders und des Institutes für Medienpädagogik und Kommunikation über den Ablauf des Projektes informiert. Eingebettet war die Veranstaltung in einen Rundgang durch das Sendegebäude von HIT RADIO FFH. Am Ende des Tages zogen die Vertreter der Schulen je zwei Begriffe, über die ihre Schüler den einminütigen Beitrag erarbeiten sollten. "Mediensucht" und "Harmonie" holte Astrid Schulze Icking aus dem Lostopf.
Für das nötige Basiswissen und die Technik sorgte Mitsch Schulz, Mitarbeiter des Institutes für Medienpädagogik und Kommunikation. Er war an allen "Studiotagen" vor Ort. Das Projekt sei keine Spaßveranstaltung, sondern fördere nachhaltig die Medienkompetenz der Schüler, betonte Schulz. Sie lernten, so der Medienexperte weiter, welche Aufgaben in einer Redaktion eines Senders anfielen und wie schwierig es sei, einen Beitrag interessant zu gestalten und perfekt zu produzieren.
Mitsch Schulz lobte die technische Ausstattung der Schule, was nicht überall selbstverständlich sei. Oft fehle das nötige Equipment und die Computerprogramme seien veraltet. An der Heinrich-Böll-Schule kümmert sich Oberstudienrat Christian Eckes um Hart- und Software.
Bevor die Schüler an die Arbeit gehen konnten, musste sie sich für einen Begriff entscheiden. Die Jungs wählten die "Mediensucht", während sich die Mädels für "Harmonie" entschieden. Als Grundlage für ihre Beiträge hörten sie sich die Ergebnisse aus dem Vorjahr an. In Kleingruppen konzipierten sie in groben Umrissen den Auflauf des Beitrags, ehe sie im Plenum das endgültige Konzept verabschiedeten. Nun musste das Projekt organisiert werden. Wer macht sich als Reporter auf den Weg? Wer kümmert sich um den nötigen Sound und mixt die Musik? Wer montiert die Beiträge am Computer? Fragen über Fragen, die im Vorfeld zu klären waren.
Mitsch Schulz war sehr angetan von beiden Radiobeiträgen. Die Entscheidung fiel schwer. Letztlich stimmte eine deutliche Mehrheit für die Arbeit der Jungs. Jetzt drücken die Klasse und natürlich die HBS-Schulgemeinde kräftig die Daumen. "Wir können uns hören lassen", ist sich die Klassenlehrerin Astrid Schulze Icking sicher. Alle Beiträge werden im Frühjahr auf einem eigens dafür eingerichteten Kanal auf FFH Digital gesendet.



Schülerinnen bei Tonaufnahmen


"Das Projekt hat großen Spaß gemacht", erklärte die Neuntklässlerin Laura. Mitschülerin Anna fügte hinzu: "Hut ab vor denen, die jeden Tag Sendebeiträge produzieren. Das ist keine leichte Aufgabe." "Unsere Klasse würde auf jeden Fall wieder an diesem Wettbewerb teilnehmen", ergänzte Celine, die jetzt die Fachsprache der Radiomacher beherrscht. Übrigens: Ein Jingle ist ein sehr kurzes, meist zwischen fünf und zehn Sekunden langes Element, das aus Musik, Gesang und/oder Sprache besteht.